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Wattenmeer und Klimawandel:
Trilaterale Kooperation erforderlich
Gemeinsames
Wattenmeersekretariat und Nationalparkverwaltung organisierten
internationale Konferenz – 125 Experten trafen sich im Wattenmeerhaus
Aus Anlass des
20jährigen Bestehens des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats in
Wilhelmshaven wurde am 30. August im Wattenmeerhaus eine
internationale Konferenz zum Thema „Wattenmeer und Klimawandel“
abgehalten. Astrid Klug, Parlamentarische Staatssekretärin im
Bundesumweltministerium, eröffnete die Veranstaltung, die
vom Wattenmeersekretariat und der Nationalparkverwaltung
Niedersächsisches Wattenmeer organisiert wurde und an der 125
Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung teilnahmen.
Seit 1987
unterstützt das Wattenmeersekretariat die Zusammenarbeit der
drei Wattenmeerstaaten Deutschland, Dänemark und die Niederlande
beim Schutz und Erhalt des weltweit größten und bedeutendsten
Wattengebietes. "Das Sekretariat ist eine treibende Kraft für
den Schutz des Wattenmeeres.“, betonte Klug. „Es hat eine
bedeutende Führungsrolle übernommen, wenn es darum ging,
gemeinsame Schutz- und Managementmaßnahmen festzulegen und die
Forschung und Überwachung zu koordinieren." Im Namen aller
Kooperationspartner dankte die Staatssekretärin den Mitarbeitern
des Sekretariats für ihr leidenschaftliches Engagement für das
Wattenmeer.
Auch
Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander
gratulierte dem Mitarbeiterstab des Wattenmeersekretariats mit
Jens Enemark an der Spitze zum 20-jährigen Bestehen. "Dass das
Trilaterale Wattenmeersekretariat vor 20 Jahren hier
angesiedelt wurde, war und ist eine Bereicherung für
Niedersachsen und besonders für die Stadt Wilhelmshaven“,
betonte Umweltminister Sander. „Das Wattenmeersekretariat als
Zentrum der Zusammenarbeit der drei Wattenmeerstaaten hat diesen
maritimen Wissenschafts- und Forschungsstandort beträchtlich
gestärkt. Denn das Wattenmeersekretariat hat sich zu einer
anerkannten Größe in den Anstrengungen um Schutz und Erhalt des
Wattenmeeres entwickelt."
Insbesondere hob
Sander die hervorragende und unkomplizierte
Zusammenarbeit des Sekretariats mit der Nationalparkverwaltung
und dem Nationalparkzentrum in Wilhelmshaven hervor.

V.l.n.r.: Dr. Albert Oost (RIKZ),
Prof. Burghard Fleming (Senckenberg), Jens Enemark
(Wattenmeersekretariat), Parlamentarische
Staatssekretärin Astrid Klug, Umweltminister Hans-Heinrich
Sander, Oberbürgermeister Eberhard Menzel (Foto: Imke Zwoch)
Klimawandel
steht hoch auf der Tagesordnung
Ziel der
Konferenz war es, die Auswirkungen der weltweiten
Klimaveränderungen auf das Wattenmeer und die Wattenmeerregion
zu diskutieren und mögliche Anpassungsstrategien
herauszuarbeiten.
Staatssekretärin
Klug betonte, dass bereits im frühen Stadium der
trilateralen Zusammenarbeit die Bedeutung der Auswirkungen des
Klimawandels auf das Wattenmeer erkannt wurde. „Die Folgen des
Klimawandels können sich darin zeigen, dass die Meeresspiegel
steigen, Stürme an Zahl und Heftigkeit zunehmen und das
Ökosystem sich verändert", so Klug weiter.
Minister
Sander begrüßte sehr, dass die drei Wattenmeerstaaten dieses
so wichtige Thema gemeinsam angehen: "Die globalen
Klimaveränderungen machen nicht an den Staatsgrenzen halt und
die Folgen sind an der Küste besonders schnell feststellbar."
Meeresspiegelanstieg und Sedimentation
Eines der
Hauptthemen des Symposiums war die Frage, inwieweit das
Wattenmeer in der Lage ist, den erwarteten Meeresspiegelanstieg
durch natürliche Sedimentation auszugleichen.
Laut Professor
Burghard Flemming vom Senckenberg Institut ändert sich
bereits heute der örtliche Sedimenthaushalt entlang der gesamten
Küste. An erodierenden Küstenabschnitten wird sich der Abtrag
verstärken, auch die Salzwiesenfläche wird verstärkt schrumpfen.
Darüber hinaus wird die Errichtung von Sturmflutschleusen, wie
sie bereits im Rheindelta und in der Ems verwirklicht sind, auch
in den Unterläufen der Weser und Elbe langfristig unumgänglich
sein. Als Ausgleichsmaßnahme wäre die Einrichtung von
künstlichen Gezeitenbecken auf der landwärtigen Seite der
Deiche, mit durch Schleusensysteme kontrollierten Wasserständen,
denkbar.
Professor
Morten Pejrup von der Universität Kopenhagen
stellte fest, dass der steigende Wasserspiegel das Wattenmeer
nur „ertrinken“ lasse, wenn der Meeresspiegel schneller steigt
als sich Sediment auf diesen Flächen ablagern kann. Wenn der
Meeresspiegel ansteigt, erweitert sich auch der zur Verfügung
stehende Raum, denn Salzwiesen werden überspült werden und damit
wird auch mehr Sediment im gesamten Wattenmeersystem als Ganzes
abgelagert.
Es ist möglich,
dass die größte Gefahr für das Wattenmeerökosystem in der
Zukunft in den Deichen liegt. Die Deiche stellen eine Barriere
dar und verhindern, dass bei einem ansteigenden Meeresspiegel
zusätzlicher Sedimentationsraum zur Verfügung steht.
Dr. Albert
Oost vom niederländischen
Instituts
für Küsten- und Meeresmanagement (RIKZ): Für Teile eines
Küstengebietes kann eine ausreichende Sedimentablagerung
erreicht werden, indem man den Sedimenttransport durch Wind und
Wasser zulässt. Als Teil eines großen Renaturierungsplans für
das niederländische Wattenmeer werden gegenwärtig Maßnahmen
entwickelt, um auf diese Weise die Anpassungsfähigkeit der
Wattenmeerinseln zu erhöhen. Dort wurden in der Vergangenheit
große Flächen durch künstliche Dünenreihen an der Nordseeseite
und/oder Seedeiche zur Wattenmeerseite hin eingedeicht. Es wird
erwartet, dass ein Rückbau dieser Deiche und ein erhöhter
Sedimenttransport auch zur Wiederherstellung ursprünglicher
Vegetation und ihrer Fauna führt, die charakteristisch für die
Wattenmeerinseln sind.
Neue
Anforderungen an den Küstenschutz
Ein zweiter
Schwerpunkt des Symposiums war die Frage, ob der jetzige
Küstenschutz ausreicht bei einem Meeresspiegelanstieg und einer
möglichen Zunahme der Sturmhäufigkeit und –intensität.
Dr. Jacobus
Hofstede vom
Schleswig-Holsteinischen Umweltministerium:
Langfristig,
bei starkem Meeresspiegelanstieg (> 1 m) und/oder einer starken
Erhöhung der Sturmflutwasserstände, kann eine Situation
entstehen, in welcher die klassischen Küstenschutzmaßnahmen
weniger machbar werden (zumindest in finanzieller Hinsicht).
Folglich werden – neben innovativen technischen Lösungen –
alternative und ergänzende Instrumente wie vorausschauende
Regionalplanung oder Risikokommunikation vermehrt Bedeutung
erlangen. Eine politische Handlungsoption zum Umgang mit dem
Klimawandel ist daher die Entwicklung einer ganzheitlichen
Risiko-Managementstrategie für die Küste, die in einem
Regelkreis die Aspekte Vorsorge, Schutz, Bereitschaft,
Katastrophenschutz/Gefahrenabwehr, Wiederherstellung und Prüfung
umfasst.
Professor
Karsten Reise (AWI Sylt)
empfiehlt, das
Wattenmeer insgesamt durch künstliche Sandzufuhr an den
schneller steigenden Meeresspiegel anzupassen. Der dafür
erforderliche Sand sollte aus der tieferen Nordsee in die
Wattgebiete transportiert werden. Dort können mit diesem Sand
formenreiche, dynamische Ufer gestaltet werden. Dazu gehören
Sandbänke, Sandnehrungen und Dünen; das schützt die Küste und
die biologische Vielfalt und steigert den Erholungswert der
Landschaft.
Laut Reise haben
die historischen Eindeichungen insbesondere die Brackwasserzonen
zwischen Meer- und Süßwasser verringert. Das wird verschlimmert
durch den immer weiter gehenden Umbau von Flussmündungen in
tiefe Kanäle für immer größere Schiffe. Um hier noch eine
Anpassung an den steigenden Meeresspiegel zu ermöglichen, wäre
ein zentral in der Nordsee verankerter Schwimmhafen eine Lösung.
Dort könnten Frachten von großen auf kleine Schiffe umgeladen
werden oder durch Pipeline-Verbindungen zum Festland
transportiert werden. Dann erst hätten Renaturierungen in den
Flussmündungen eine Chance.
Ökosystem in der Krise?
Drittes Hauptthema des Symposium
waren die Auswirkungen der Klimawandel auf das
Wattenmeer-Ökosystem. Dazu Professor Reise: Schneller
Klimawandel bringt die Natur in eine Krise. Im Wattenmeer ist
der Übergang zum Land die kritische Zone. Dort wurden weite
Überflutungsräume trocken gelegt und Uferbiotope mussten Deichen
Platz machen. Mobile Dünen wurden bepflanzt und verlieren ihre
charakteristische Vegetation. Bei beschleunigtem Anstieg des
Meeres ist zu erwarten, dass Uferbiotope vor festen
Küstenschutzbauten aufgerieben werden.
Überleben durch
Anpassung ist dort am erfolgreichsten, wo an der Küste
vielfältige Lebensraumgradienten und Mosaikmuster vorhanden
sind. Ein Naturschutzmanagement sollte daher zum Ziel haben,
ursprüngliche Lebensraumgrößen und deren strukturelle Vielfalt
wieder herzustellen.
Dr. Katja Philippart und
Dr. Erich Epping vom niederländischen
Institut für Meeresforschung (NIOZ), Texel: Die
Folgen des Klimawandels auf das Ökosystem Wattenmeer sind nicht
nur auf Veränderungen von Wassertemperaturen und Meeresspiegel
zurückzuführen, sondern auch auf Änderungen in den
Niederschlägen, Wind und Kohlendioxyd-Konzentrationen.
Veränderungen dieser Umweltfaktoren werden zu Verschiebungen von
Lebensräumen und Arten führen, sowie in deren Interaktionen. Das
kann sich direkt auf ökosystemare Prozesse auswirken, z. B.
Nährstoffumsetzung, Primärproduktion und Struktur des
Nahrungsnetzes, und so neue Rahmenbedingungen für
Naturschutzmaßnahmen und Ressourcenutzung setzen.
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