ENDBERICHT
NOVEMBER 2001
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung
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INHALTSVERZEICHNIS
1
EINLEITUNG
2
HAUPTTEIL
2.1
SPÜLSAUMKONTROLLEN
2.1.1
Einleitung
2.1.2
Vögel im Spülsaum als Indikator für
Ölverschmutzung
auf See
2.1.2.1 Lebensweise der betroffenen
Arten
2.1.2.2 Verbreitung der behandelten
Arten
2.1.2.3 Änderungen der Sterblichkeit
der behandelten Arten
2.1.2.4 Wetter als
beeinflussender Faktor
2.1.3
Methodik der Spülsaumuntersuchungen
2.1.3.1 Erfassungszeiträume und vorhandene Daten
2.1.3.2 Zentrale Datenhaltung
2.1.3.3 Datenerhebung und Methode der Auswertung
2.1.4
Ergebnisse
2.1.4.1 Darstellung der Ergebnisse
aus dem Projektzeitraum
01. Oktober 1998 bis 31. März 2001
2.1.4.1.1 Besondere Ereignisse
2.1.4.1.2 Die Funde in Detail
– Daten der
Winterhalbjahre
2.1.4.2 Darstellung und
Vergleich der Ergebnisse aus dem
Zeitraum 1984/85 -2000/01
2.1.4.2.1 Unterschiede zwischen den drei Regionen
Helgoland, Niedersachsen und
Schleswig-Holstein
2.1.4.2.2 Unterschiede zwischen den
Verölungsraten
innerhalb des Wattenmeeres und der zur
Nordsee exponierten Küsten
2.1.4.2.3 Unterschiede zwischen den
ersten und zweiten
Hälften der Winter
2.1.4.2.4 Besondere Aspekte der
Ergebnisse der
Spülsaumkontrollen auf den
Dauersammelstrecken
2.1.4.3 Zeitliche, regionale und
art-spezifische Trends in den Verölungsraten im Zeitraum 1984/85 bis
2000/01 - Statistische Analyse der Daten der Spülsaumuntersuchungen
2.1.4.3.1 Logit-Modell
2.1.4.3.2 Spearman-Rangkorrelationen
2.1.5
Diskussion der Ergebnisse
2.1.6
Literatur
2.2
ÖLANALYSEN
2.2.1
Einleitung
2.2.2
Methodik
2.2.3
Ergebnisse
2.2.4
Diskussion
2.2.5
Besondere Vorfälle
2.2.5.1 Eine neue Quelle von Ölverschmutzungen
2.2.5.2 Untersuchungen nach dem
Unfall der Pallas Ende
Oktober 1998
2.2.6
Ein Computerprogramm zur Identifizierung von Ölverschmutzungen
2.2.7
Literatur
2.3
SEEVERKEHRSANALYSE UND ABSCHÄTZUNG DER ANFALLENDEN ÖLRÜCKSTÄNDE
IM NORDSEEGEBIET DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND AUF VORDEFINIERTEN
SCHIFFSROUTEN
2.3.1
Einleitung
2.3.2
Berechnung von Emissionen mit Hilfe von Schiffseinzeldaten
2.3.3
Schiffsbewegungsdaten des Statistischen Bundesamtes
2.3.3.1
Anschreibehafen
2.3.3.2
Schiffsmerkmale - Schiffsart
2.3.3.3
Schiffsmerkmale - Größenklasse
2.3.3.4
Ankunft/Abgang
2.3.3.5
Unbeladen/Beladen
2.3.3.6
Einsatzart der Seeschiffe
2.3.3.7
Herkunftsbezirk – Bestimmungsbezirk
2.3.3.8
Einladebezirk – Ausladebezirk
2.3.3.9
Werteangabe
2.3.4
Rechenansatz im MARION-System unter Berücksichtigung von
gemittelten Daten des Statistischen Bundesamtes
2.3.4.1
Verkehrsterm
2.3.4.2
Emissionsterm
2.3.4.3
Berechnungsbeziehungen
2.3.4.4
Ermittlung der Verweilzeit t eines Schiffstyps in einer Größenklasse
2.3.5
Betrachtungsgebiet
2.3.6
Schiffsrouten innerhalb des Betrachtungsgebietes
2.3.7
Schiffsbewegungszahlen innerhalb des Betrachtungsgebietes
2.3.8
Ölhaltige Rückstände durch den Betrieb von Seeschiffen
2.3.8.1 Quantifizierung von ölhaltigen
Rückständen durch den Betrieb von Seeschiffen
2.3.8.2 Berechnungsergebnisse der ölhaltigen
Rückstände bezogen
auf vordefinierte Schiffsrouten
2.3.9
Diskussion der Ergebnisse
2.3.10
Literatur
2.4
ENTSORGUNGSMENGEN NACH MARPOL I IN DEN DEUTSCHEN NORDSEEHÄFEN
2.4.1
Einleitung
2.4.2
Demonstrationsvorhaben „Kostenlose Schiffsentsorgung“
2.4.3
Datenerhebung und Ergebnisse
2.4.3.1
Hamburger Hafen
2.4.3.2
Bremische Häfen - Bremerhaven und Bremen
2.4.3.3
Schleswig-Holsteinische Nordseehäfen
2.4.3.4
Niedersächsische Häfen
2.4.3.5
Deutsche Nordseehäfen
2.4.4
Diskussion
2.4.5
Literatur
2.5
LUFTÜBERWACHUNG UND ANDERE SYSTEME ZUR MELDUNG VON ÖLVERSCHMUTZUNGEN
2.5.1
Einleitung
2.5.2
Luftüberwachung
2.5.3
Analyse der verfügbaren Daten über Meldungen von Ölverschmutzungen
im Hinblick auf ihre Nutzung zur Bewertung der Spülsaumkontrollen
2.5.4
Ausgewählte Ergebnisse
2.5.5
Diskussion
2.5.6
Literatur
2.6
EINFLUSS VON WETTER
2.6.1
Einleitung
2.6.2
Datengrundlage
2.6.3
Ergebnisse
2.6.3.1
Lufttemperatur und Anzahl der
Eistage
2.6.3.2
Windrichtung und -geschwindigkeit
2.6.4
Diskussion
2.6.5
Literatur
2.7
VERBREITUNG UND HÄUFIGKEIT AUSGEWÄHLTER SEEVOGELARTEN IM
WINTERHALBJAHR IN DER DEUTSCHEN BUCHT
2.7.1
Einleitung
2.7.2
Material und Methode
2.7.3
Ergebnisse und Diskussion
2.7.3.1 Die Verbreitung der
wichtigsten Arten im
Winterhalbjahr
2.7.3.2 Mögliche Veränderungen
der Verbreitung und Häufigkeit
2.7.4
Schlussfolgerungen für Spülsaumfunde
2.7.5
Literatur
2.7.6
Abbildungen
2.8
ANALYSE UND BEWERTUNG DER ERGEBNISSE DER SPÜLSAUMKONTROLLEN UNTER
EINBEZIEHUNG ZUSÄTZLICHER ERKENNTNISSE
2.8.1
Einleitung
2.8.2
Einfluss bestimmter Faktoren auf die Ergebnisse der Spülsaumkontrollen
2.8.2.1 Einfluss des Unfalls
der Pallas 1998
2.8.2.2 Einfluss der Wetterverhältnisse
2.8.2.3 Einfluss der
Verbreitung der See- und Küstenvögeln auf See
2.8.3
Regionale Unterschiede und Trends der Verölungsrate
2.8.3.1 Regionale
Unterschiede der Verölungsrate
2.8.3.2 Trends der Verölungsraten
2.8.4
Ursachen für den Rückgang und das Hoch-tief-hoch-tief-Muster der
Verölungsraten im Zeitraum 1984/85 - 2000/01
2.8.4.1 Faktor: Wetter
2.8.4.2 Faktor: Erhöhte
Sterblichkeit
2.8.4.3 Faktor: Schiffsverkehr
und anfallende ölhaltige
Rückstände
2.8.4.4 Faktor: Technisches
Ausrüstung der Schiffe
2.8.5
Maßnahmen und ihre Effektivität zur Reduktion von Ölverschmutzungen
2.8.7 Literatur
3 LITERATURVERZEICHNIS
ANHÄNGE
Anhang 1: Liste der Vogelnamen.
Anhang 2.1.1: Auswertbaren Spülsaumfunde
1984/85 – 2000/01.
Anhang 2.1.2: Spülsaumkontrollstrecken
an der deutschen Nordseeküste
1992 – 2001 und Anzahl der Funde pro Strecke
im Zeitraum 1998 - 2001.
Anhang 2.1.3: Ergebnisse der Spülsaumkontrollen
der Winterhalbjahre
1998/99 bis 2000/01 an der deutschen Nordseeküste (alle Funde,
auswertbare Funde und Ölfunde von jeweils 01. Oktober - 31. März).
Anhang 2.1.4: Anzahl der nicht verölten
auswertbaren Funde einiger Vogelarten auf den Dauersammelstrecken (Anzahl
/ km)
der deutschen Nordseeküste im Zeitraum 1992/93 - 2000/01.
Anhang 2.2.1: Ergebnisse der Ölanalysen
im Projektzeitraum
17.10.1997 – 30.04 2001. Bundesamt für
Seeschiffahrt und Hydrographie.
Anhang 2.5.1: Liste besonderer
Vorkommnisse bzw. Verunreinigungen an den Küsten der Deutschen Bucht ab
1990.
Anhang 3: Liste der Veröffentlichungen
im Rahmen des F+E-Vorhabens.
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Kurzfassung
EINLEITUNG
Vögel sind die auffälligsten Opfer von Ölverschmutzungen
auf See und zuverlässige Bioindikatoren insbesondere für das Ausmaß der
chronischen Ölverschmutzung. Systematische Spülsaumuntersuchungen haben
in der Vergangenheit gezeigt, dass sich mit ihrer Hilfe brauchbare
Ergebnisse erzielen lassen, die Auskunft über den Zustand, die Ursache
und den Umfang der Meeresverschmutzungen durch schwimmende Materialien
geben.
Beschreibung
des Vorhabens
Ausgangspunkt des F+E-Vorhabens war die Hypothese,
dass die vermehrte Abgabe von Ölrückständen aufgrund des 1988 in allen
deutschen Häfen eingeführten Demonstrationsvorhabens “Kostenlose
Schiffsentsorgung nach MARPOL I" zur Verringerung der Ölverschmutzung
der Nordsee geführt habe. Weiterhin, dass in den folgenden Jahren die
wieder geringer werdenden abgegebenen Mengen in den Häfen sowie eine
erkennbare Zunahme der Ölverschmutzung in der Deutschen Bucht vermutlich
mit der teilweisen Aufhebung der kostenlosen Ölentsorgung in den Häfen
zusammenhinge. Dieser Rückschluss deutete sich aufgrund der Ergebnisse
der bis 1992 begleitenden Spülsaumergebnissen an, der auch durch den
Verlauf der vom Zentralen Meldekopf in Cuxhaven (ZMK) zusammengestellten
Meldungen über Gewässer- bzw. Ölverunreinigungen im Bereich des
Verkehrstrennungsgebiets (VTG) gestützt wurde.
Das F+E-Vorhaben hat Veränderungen der Verschmutzung
der Deutschen Bucht durch schwimmfähige Produkte, wie Öl und ölähnliche
Substanzen mit Hilfe von Spülsaumerfassungen und Ölanalysen ermittelt,
um Aussagen über die Effektivität von Maßnahmen zur Reduzierung von Ölverschmutzungen,
wie. z.B. der Schiffsentsorgung in den Häfen, machen zu können.
Die Ergebnisse der Spülsaumkontrollen und Ölanalysen
wurden im Vorhaben mit Erkenntnissen begleitender Aspekte in Verbindung
gebracht. Diese umfassen eine Seeverkehrsanalyse, Daten über
Entsorgungsmengen in den Häfen, Meldungen von Ölverschmutzungen auf See
sowie die beeinflussenden Faktoren Wetter, Verbreitung, Häufigkeit und
Sterblichkeit von Seevögeln. Dadurch wurden die Öleinträge in die
Nordsee bestimmt, quantifiziert und zu einem gewissen Grad die
verschiedenen Maßnahmen zur Verhütung und Verminderung von Ölverschmutzungen
bewertet, wie z.B. die Schiffsentsorgung in den Häfen. Die Ergebnisse der
Analyse aller dieser Faktoren sowie die räumlich-zeitlichen Veränderungen
der Verölungsraten - dem Maß der Spülsaumkontrollen für Ölverschmutzung
- ergeben ein Bild über die räumlich-zeitlichen Veränderungen der
Belastung der südlichen Nordsee mit Öl und erlauben Aussagen über mögliche
Ursachen für diese Änderungen.
Ergebnisse
Spülsaumkontrollen
An der deutschen Nordseeküste haben Spülsaumuntersuchungen
eine lange Tradition und dokumentieren den Grad der Verschmutzung der südlichen
Nordsee mit Öl seit einem Zeitraum von nunmehr 17 Jahren. Die Daten aus
diesem F+E–Vorhaben (1998 – 2001) ergänzen die Daten aus zwei
vorangegangenen Vorhaben (1983 - 1988, 1988 - 1992) sowie aus den fünf
Jahren, in denen Spülsaumkontrollen an der deutschen Nordseeküste von
Naturschutz- und Umweltbehörden in Zusammenarbeit mit privaten
Naturschutzverbänden in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen
aufrecht erhalten wurden (1993 – 1997). Die Analyse der Daten der 16 am
häufigsten vorkommenden Arten und aller Aspekte innerhalb des jetzigen
Vorhabens hat deutlich gemacht, dass nur eine Betrachtung des gesamten
Zeitraumes von 1984 - 2001 und die Berücksichtigung aller seit Anfang der
1980er Jahre eingeführten Maßnahmen ein klares Bild über ihre Effizienz
liefern kann.
Die Lebensweise und Verbreitung einer Vogelart
bestimmen deren Gefährdungsgrad durch Öl auf See verschmutzt zu werden
und somit – bei gleichbleibender Verschmutzungsintensität - ihre Verölungsrate
in einer bestimmten Region. Die Verölungsrate errechnet sich aus der
Gesamtzahl der Totfunde dividiert durch die Zahl der verölten Totfunde.
Sie hat sich als wertvolle Größe für den Grad der Verschmutzung der
Meere durch Öl erwiesen. Die Verölungsrate einer Vogelart wird sowohl
von dem eigentlichen Zielaspekt – dem Grad der Ölverschmutzung in der
Region, in der sie vorkommt – bestimmt, als auch durch die natürliche
Sterblichkeit dieser Vogelart. Die Verbreitung und Sterblichkeit der
Meeresvögel wird wiederum u.a. vom vorherrschenden Wetter beeinflusst.
Im Zeitraum des F+E-Vorhabens wurden insgesamt 20.742
unverölte und verölte Kadaver von 124 Vogelarten in den Spülsäumen der
deutschen Nordseeküste registriert. Im Rahmen dieses F+E-Vorhabens wurde
eine Datenbank für die Verwaltung und Analyse der Daten eingerichtet. Die
Datenbank enthält Informationen zu den Spülsaumfunden sowie den
kontrollierten Küstenabschnitten des Vorhabens. Sie verfügt über
Informationen zu ca. 55.000 Totfunden, die auf 425 Strecken bzw.
Teilstrecken an der deutschen Nordseeküste von Sylt bis Borkum erfasst
wurden. Eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Abfrage erleichtern die
Auswertung und Analyse der Ergebnisse.
Ölanalysen
Im Zeitraum des Vorhabens wurden über 700
Gefiederproben von im Spülsaum gefundener, verölt angeschwemmter Vögel
bzw. Strandproben analysiert. In über 90% der Proben wurden Rückstände
der Schwerölseparation, gecracktes Schweröl (Heavy Fuel Oil, HFO, Bunker
C-Öl) nachgewiesen, das in der Seeschifffahrt seit den 80er Jahren als
Brennstoff eingesetzt wird. Ölanalysen verölter Gefiederproben damals
ergaben, dass die starke Zunahme der Ölverschmutzungen mit der Einführung
neuer Verarbeitungsverfahren (sog. Crackverfahren) in den Raffinerien
zusammenhing, deren Abfallprodukt Bunkeröle sind, die als Brennstoff in
der Seeschifffahrt ein-
gesetzt werden. Bei der Reinigung dieser Brennstoffe
an Bord (Schwerölseparation) fallen vermehrt Rückstände an, die
offensichtlich - entgegen internationaler und nationaler Vorschriften -
illegal ins Meer eingeleitet werden. Die vorliegenden Ergebnisse wie auch
Untersuchungen auf den Shetlands belegen, dass nach wie vor vorwiegend Rückstände
der Schwerölseparation aus dem Schiffsbetrieb verbotswidrig gelenzt
werden.
Seeverkehrsanalyse
Eine im Rahmen des F+E-Vorhabens durchgeführte
Seeverkehrsanalyse untersuchte mit Hilfe von MARION anhand der verfügbaren
Daten von 1992 – 1999 Schiffsbewegungen in der Deutschen Bucht. MARION
wurde als ein DV-Systems für die Quantifizierung von Schadstoffen durch
den Seeschiffsverkehr entwickelt. Mit Hilfe von Emissionsalgorithmen
konnten belastbare Aussagen über seeverkehrsbedingte Umweltbelastungen,
hier der Anfall von ölhaltigen Rückständen des Brennstoffs durch den
Schiffsverkehr an der Nordseeküste, berechnet werden.
Entsorgung in den Häfen
Das gemeinsam von Bund und Küstenländern
finanzierte, in deutschen Häfen durchgeführte Demonstrationsvorhaben
“Kostenlose Schiffsentsorgung" wurde Mitte 1988 eingeführt
und 1991 beendet. Das Pilotvorhaben wurde zunächst von den vier
norddeutschen Küstenländern allein weitergeführt; 1992 setzte
Schleswig-Holstein statt kostenloser Entsorgung auf das
Verursacherprinzip, und Hamburg schloss Ladungsreste sowie Tankwasch- und
Ballastwasser von der kostenlosen Entsorgung aus. Seit Juli 1994
subventioniert Hamburg die Entsorgung eines Schiffes im Hamburger Hafen
bis zu einer bestimmten Summe, die 1996 und 1998 jeweils herabgesetzt
wurde. Bremen hat die kostenlose Schiffsentsorgung mit Beginn 1996
eingestellt, so dass Niedersachsen zur Zeit das einzige Küstenland ist,
in dessen Häfen Schiffe ölhaltige Rückstände und Abwässer aus dem
Maschinenbereich kostenlos entsorgen werden können.
Die abgegebenen Entsorgungsmengen ölhaltiger Rückstände
aus dem Maschinenraum von Schiffen aller deutscher Häfen der Nordsee
werden durch die Hamburger Mengen geprägt. Mit Beginn des Pilotprojektes
wurden steigende Entsorgungsmengen bis 1993 registriert. Danach sanken die
Entsorgungsmengen bis 1996 auf den tiefsten Wert der letzten 11 Jahre. Ab
1997 pendelte sich die Entsorgungsmenge bei etwa 70.000t - 75.000t pro
Jahr ein. Generell ist die Anzahl der Entsorgungen in den letzten Jahren
nach Einstellung der kostenlosen Entsorgung bzw. den schrittweisen Veränderungen
der Subventionierung gesunken, die abgegebene Menge der einzelnen Schiffe
hat jedoch zugenommen. Dieses ist im Zusammenhang mit der Veränderung der
fahrenden Schiffe zu sehen, d.h. es entsorgen heute weniger, dafür jedoch
größere Schiffe jeweils größere Mengen.
Wetter
Um den Einfluss der Wetterverhältnisse auf die Anspülungen
von Vogelkadavern an die Küsten zu berücksichtigen, wurden verschiedene
Faktoren untersucht, die einen Überblick über zeitliche und räumliche
Veränderungen im Wettergeschehen im Bereich der Deutschen Bucht ermöglichen.
Danach sind die drei Winter des Vorhabens 1998/99 – 2000/01 als
„normal mild“ einzustufen. Das vermehrte Auftreten von östlichen
Winden im Winter 2000/01 hat viele Vogelkadaver von den Küsten der
Deutschen Bucht fern gehalten, so dass die extrem niedrigen Fundzahlen in
diesem Jahr zum größten Teil auf die anhaltende Ostwindwetterlage zurückzuführen
sind. Das herausragende Wetterereignis im Zeitraum 1992/93 - 2000/01 war
der kalte Winter 1995/96. In diesem Winter beeinflusste das Wetter in der
Deutschen Bucht mit hoher Wahrscheinlichkeit die Anzahl und Verteilung der
Funde und damit die Verölungsrate vieler Arten. Es wurde ein deutlicher
Zusammenhang mit den Verölungsraten der 16 häufig vorkommenden Arten in
den Spülsaumkontrollen desselben Zeitraumes festgestellt, und aus diesem
Grund die Spülsaumdaten aus dem strengen Winter 1995/96 zur Berechnung
von Trends für die weitere Analyse nicht miteinbezogen. Damit wurde
ausgeschlossen, dass die ermittelten reduzierten Verölungsraten dieses
Winters das generelle Ergebnis über den Trend der Verölungsrate
beeinflusst.
Obwohl das Wetter in bestimmten „Ausnahme“-Wintern
die Verölungsraten der an den Küsten gefundenen Vogel beeinflusst hat,
ist ein genereller Zusammenhang zwischen Änderungen im Wettergeschehen
und den Verölungsraten nicht erkennbar. Dennoch ist es möglich, dass die
Verölungsraten Mitte/Ende der 1980er Jahre wetterbedingt unterschätzt
worden sind, und dass der Rückgang Ende der 1980er/Anfang der 1990er
Jahre größer als ermittelt war.
Verbreitung von Seevögeln
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Seevogel tot an der
Küste angespült wird, ist zu großen Teilen von der räumlichen
Verbreitung und der Häufigkeit dieser Vogelart auf See abhängig. Die
Kenntnis der räumlich-zeitlichen Verteilungsmuster der häufigsten Arten
sind daher wichtige Voraussetzung zur Interpretation von Spülsaumdaten.
Die in der "European Seabirds at Sea Database" gesammelten Daten
zur Verbreitung und Häufigkeit von Seevögeln auf See wurden als
Beschreibung der Verbreitung sowie der möglichen Änderungen in
Verbreitung und Häufigkeit der wichtigsten Seevogelarten im
Winterhalbjahr genutzt. Daraus ergibt sich, dass die Verbreitung und Häufigkeiten
der behandelten Arten sich in vielen Fällen in der Verbreitung und Häufigkeit
der angespülten Totfunde widerspiegelt.
Besondere Ereignisse
Bei der Betrachtung besonderer Ereignisse, die –
wie z.B. strenge Winter - die Ergebnisse der Spülsaumkontrollen
beeinflussen, sind Ölunfälle und natürliche Massensterben bestimmter
Vogelarten zu nennen. Ende Oktober 1998 havarierte südwestlich von Amrum
der Holzfrachter Pallas.
Insgesamt liefen aus dem Wrack 244 m3 Öl (hauptsächlich
Schweröl, aber auch Diesel- und Hydrauliköl) in die Nordsee und das
Wattenmeer. Über 12.000 Vögel wurden verölt auf den Stränden der Westküste
Schleswig-Holsteins und Dänemarks registriert. Schätzungsweise 16.000
Individuen von 35 Vogelarten starben aufgrund der Verschmutzung mit den
aus der Pallas aufgelaufenen Ölen.
Die Masse der betroffenen Vögel waren Eiderenten und Trauerenten. Dieser
Unfall führte zu einem Anstieg in der Verölungsrate dieser zwei
Meeresentenarten in Schleswig-Holstein im Winter 1998/99, der bei der
Trendberechnung unberücksichtigt blieb.
Erhöhte Sterblichkeit bei bestimmten Arten hat in
einigen Wintern zur Reduzierung der Verölungsraten geführt. Das
Massensterben der Trottellumme im Winter 1998/99 führte zu der bisher
niedrigsten dokumentierten Verölungsrate der deutschen Nordseeküste. Das
Massensterben der Eiderente in den Wintern 1999/00 und 2000/01 ergab
ebenfalls sehr geringe Verölungsraten im Vergleich zum Zeitraum 1992/93 -
1998/99. Vermehrte Funde der Dreizehenmöwe in Niedersachsen im Winter
1998/99 sind wahrscheinlich auch – wie weitere Beispiele zeigen -
aufgrund erhöhter Sterblichkeit dieser Art in der südlichen
Nordsee zurückzuführen. Da die Daten aus Wintern mit erhöhter
Sterblichkeit bei den entsprechenden Arten nicht in die Auswertung mit
einbezogen wurden, kann ausgeschlossen werden, dass Änderungen der
Sterblichkeit das Ergebnis über den Trend der Verölungsrate
beeinflussen.
Flugüberwachung
Zum Vergleich mit den Ergebnissen der Spülsaumuntersuchungen
wurden die Erkenntnisse aus der Überwachung der Meeresverschmutzung aus
der Luft sowie anderer Meldesysteme „Ölverschmutzungen auf See“
herangezogen. Die Luftüberwachung ist wichtiger Bestandteil des deutschen
Vorsorgekonzeptes gegen Meeresverschmutzungen und dient in erster Linie
der Überwachung der deutschen Gewässer zur Identifizierung
schiffsbedingter Verschmutzungen und ihrer Verursacher. Sie wurde jedoch
nicht als Instrument für Monitoringzwecke konzipiert, um regionale Trends
in der Verschmutzung deutscher Gewässer aufzuzeigen.
Für die Auswertung im Rahmen des F+E-Vorhabens
standen Flugüberwachungsdaten in ausreichend räumlicher und zeitlichen
Auflösung von 1989 - 2000 zur Verfügung sowie Übersichten aller an den
ZMK gemeldeten Ölverschmutzungen inklusive der Luftüberwachungsdaten,
aufgeteilt in die Bereiche Verkehrstrennungsgebiet (VTG), Flussmündungen
(Elbe, Weser, Jade und Ems) sowie übrige Nordsee. Das Bundesamt für
Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg fasst gemeldete Gewässerverunreinigungen
(Öl, Chemie, Müll, andere Arten) für die Bereiche Nordsee und Ostsee
mit Herausgabe von Jahres- und Halbjahresübersichten zur Verteilung der
Verunreinigungen im Seegebiet zusammen.
Die Darstellung aller Meldungen über Ölverschmutzungen
des ZMK hat sich nach Prüfung aller zur Zeit zur Verfügung stehenden
Daten als geeignetste Übersicht räumlicher Unterschiede der Anzahl
gemeldeter Ölverschmutzungen und deren zeitlicher Trends herausgestellt,
die für den Vergleich mit den Spülsaumdaten genutzt werden kann. Die Änderungen
der Anzahl der Meldungen für das VTG verlaufen - bis auf das Jahr 2000 -
fast identisch mit denen der Verölungsrate der Trottellumme im selben
Zeitraum. Es ist anzunehmen, dass die Verölungsrate der Trottellumme -
aufgrund der Verbreitung dieser Vogelart - im wesentlichen den
Verschmutzungsgrad im VTG widerspiegelt. Die Winter 1995/96
(wetterbedingter Rückgang der Verölungsrate), 1998/99 (Massensterben der
Trottellummen) und die letzten zwei Winter 1999/00 und 2000/01 ergeben
hier jedoch Abweichungen; die Verölungsraten der Trottellumme sinken, die
Anzahl der Meldungen steigt jedoch im VTG wider an. Der registrierte Rückgang
der Anzahl der Verschmutzungsfälle pro Flugstunde seit Anfang der 90er
Jahre spiegelt die im selben Zeitraum fallenden Verölungsraten der an
deutschen Nordseeküsten registrierten Vögel wieder.
Die im Rahmen der Luftüberwachung festgestellte Häufigkeit
von Ölverschmutzungen im Bereich des VTGs, vor allem vor den Küsten der
Niederlande, aber auch vor der Küste Nordfrieslands wird durch die
generell höheren Verölungsraten an den Küsten der Niederlande im
Vergleich zu Deutschland bzw. die generell höheren Verölungsraten in
Schleswig-Holstein im Vergleich zu Niedersachsen bestätigt.
Regionale Unterschiede der Verölungsraten
Schon Anfang der 1990er Jahre wurde eine Abnahme der
Verölungsraten der an deutschen Nordseeküsten gefundenen Vögel
dokumentiert, was eine Abnahme der Verschmutzung deutscher Seegebiete mit
Öl indizierte. Durch das jetzige Vorhaben ergibt sich bei Betrachtung des
Gesamtzeitraums von 1984/85 – 2000/01 folgendes Bild:
Helgoland weist generell höhere Verölungsraten auf
als Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Im Zeitraum 1984/85 - 1991/92
waren die Verölungsraten von Schleswig-Holstein - mit Ausnahme von
Trottellumme und Trauerente - höher als an der niedersächsischen Küste.
Die im Vergleich zu Niedersachsen generell höheren Verölungsraten in
Schleswig-Holstein sind wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die
gegen den Uhrzeigersinn vorherrschende Strömung in der Deutschen Bucht
das eingeleitete Öl und verölte Vögel aus dem
Hauptverkehrsbereich, dem VTG und der Elbmündung parallel der
schleswig-holsteinischen Küste nach Norden treibt.
Das Wattenmeer weist im Vergleich zum offenem Meer
eine geringere Ölbelastung auf. Die Verölungsraten von Vogelarten, die
den Schwerpunkt ihrer Verbreitung im Wattenmeer haben, wie Silbermöwe,
Lachmöwe oder Austernfischer, sind in der Regel niedriger als von Arten,
die im Winter auf Hoher See vorkommen, wie Trottellumme und Dreizehenmöwe
bzw. Arten, die im küstennahen Bereich seewärts der Inseln verbreitet
sind, wie Trauerente und Sterntaucher. Ein Vergleich der Möwenarten
zeigt, dass Arten mit Verbreitung auf Hoher See, wie Dreizehenmöwe und
Sturmmöwe, höhere Verölungsraten aufweisen als Arten mit
Verbreitungsschwerpunkt im Wattenmeer, wie Silbermöwe und Lachmöwe.
Die – sowohl im Vergleich zu den Arten des
Wattenmeeres als auch den Hochseearten - hohen Verölungsraten von "Küstenarten",
wie Trauerente und Sterntaucher, sind in Niedersachsen vermutlich auf die
Nähe zum VTG zurückzuführen; in Schleswig-Holstein aufgrund der Strömungsverhältnisse
in der Deutschen Bucht, die Öl aus dem Hauptverkehrsbereich an der
schleswig-holsteinischen Küste nach Norden treibt.
Die Verölungsraten der an den deutschen Nordseeküsten
im Zeitraum 1984/85 - 2000/01 registrierten Totfunde weisen einen
generellen Rückgang auf, wobei die besonderen Ereignisse, wie z.B. kalte
Winter, Ölunfälle und Massensterben bei der Trendberechnung nicht mit
einbezogen wurden. Dieser Rückgang scheint zumindest bei einigen Arten
Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre am stärksten gewesen zu sein und in
Schleswig-Holstein ist er von einem Hoch-tief-hoch-tief-Muster überlagert.
In den Wintern 1999/2000 und 2000/01 nahm bei acht von zehn Vogelarten die
Verölungsrate ab. Die deutliche Abnahme der Verölungsrate in den Wintern
1999/00 und 2000/01 wurde sowohl an deutschen Nordseeküsten als auch an
den benachbarten Küsten der Niederlande registriert. Auch auf den
Shetland Inseln sind die Verölungsraten der letzten zwei Winter viel
niedriger ausgefallen als in der Vergangenheit.
Bei Hochseearten, wie z.B. Trottellumme und Tordalk,
sind die Verölungsraten insgesamt rückläufig. Nach anfänglichem Sinken
der Verölungsraten Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre steigen die
Raten dieser Alkenarten bis zum Winter 1996/97 wieder an, um Ende der 90er
Jahre erneut zu fallen. Die Verölungsraten der Hochseearten zeigen ein
Hoch-tief-hoch-tief-Muster, dass auf hohe Verölungsraten im Zeitraum
1993/94 - 1996/97 an den Küsten Schleswig-Holsteins zurückzuführen ist.
Insgesamt sank die Verölungsrate der Trottellumme von 80% auf 40%.
Auch in den Niederlanden zeigen die Ergebnisse von 30
Jahren Spülsaumkontrollen, dass mit Ausnahme der Trauerente die Verölungsraten
aller Arten Mitte der 70er bis Mitte der 90er signifikant und
kontinuierlich zurückgegangen sind. Dieser Trend hat sich seitdem in den
Niederlanden fortgesetzt. In Dänemark wurde ebenfalls eine Abnahme der
Verölungsrate im Bereich des dänischen Wattenmeeres von mehreren Prozent
pro Jahr Mitte der 80er bis Mitte der 90er beobachtet. Das entspricht dem
Trend in Schleswig-Holstein und es ist davon auszugehen, dass die dänischen
Daten die Situation des gleichen Seegebiets widerspiegelt wie die aus
Schleswig-Holstein, da Öl und verölte Vögel mit der Strömung und den
vorherrschenden Winden nach Norden ebenfalls an Dänemarks Küsten gespült
werden. Nördlich des Wattenmeeres, an den Nordseeküsten von Nord Jütland,
wurde dagegen kein Trend bei den Verölungsraten festgestellt.
Schiffsverkehr und Verölungsraten
Es ist davon auszugehen, dass der Verschmutzungsgrad
eines bestimmten Seegebiets durch das Schiffsverkehrsaufkommen in dem
jeweiligen Bereich bestimmt wird. Der Vergleich der Verölungsraten
bestimmter Vogelarten hat ergeben, dass sie tatsächlich die Änderungen
im Verkehrsaufkommen auf bestimmten Routen in der Deutschen Bucht
widerspiegeln. Dabei war zu erwarten, dass aufgrund der vorherrschenden
Strömung und Windrichtung in der Deutschen Bucht die Verölungsraten an
der niedersächsischen Küste den Verschmutzungsgrad im Bereich des
Verkehrstrennungsgebietes und das Verkehrsaufkommen parallel der niedersächsischen
Küste bzw. die Verölungsraten an der schleswig-holsteinischen Küste den
Verschmutzungsgrad der Bereiche vor der Küste und Helgoland sowie der
Elbmündung widerspiegeln.
Insgesamt wurde für alle betrachteten Routen eine
Zunahme beim errechneten Mengenanfall ölhaltiger Rückstände
verzeichnet. Die Zunahme war erheblich höher auf den Routen, die als
Verschmutzungsquelle für die schleswig-holsteinischen Kü-ste in Frage
kommen, als auf der Route die entlang der niedersächsischen Küste führt.
Beim errechneten Mengenanfall ölhaltiger Rückstände ist ein steiler
Anstieg vor allem Mitte der 90er Jahre zu erkennen. Vieles deutet darauf
hin, dass diese Änderungen im Schiffverkehr für die hohen Verölungsraten,
die an den Küsten Schleswig-Holsteins Mitte der 90er Jahre ermittelt
wurden, verantwortlich sind.
Nach einer dramatischen Steigerung der
schiffsbedingten Ölverschmutzung der Meere einschließlich der Nordsee
Ende der 70er Jahre, bedingt durch die Einführung von kostengünstigem
Schweröl als Brennstoff während der Ölkrise, wurde seit Anfang der 80er
Jahre Schritt für Schritt eine Reihe von Maßnahmen auf internationaler
und nationaler sowie europäischer Ebene eingeführt, um die Ölverschmutzung
der Meere generell und insbesondere der Nordsee zu reduzieren: u.a. die
Hafenstaatkontrolle (1982), das MARPOL Übereinkommen mit Anlage I (1983)
und seine Änderungen (1993, 1999), die Ausweisung der Nordsee zum
Sondergebiet nach MARPOL Anlage I (1999), nationale Maßnahmen, wie das
Demonstrationsvorhaben zur kostenlosen Ölentsorgung in den Häfen sowie
die Verschärfung des Ordnungswidrigkeitenrechts für unzulässiges
Einleiten von Ölrückständen ins Meer.
Schiffe leiten illegal nach wie vor Brennstoffrückstände
in die Nordsee ein. Die Menge ist offensichtlich jedoch in den letzten
Jahrzehnten kontinuierlich geringer geworden. Die Seeverkehrsanalyse hat
allerdings steigende Mengen anfallender Ölrückstände für Schiffe in
den letzten Jahren auf allen betrachteten Routen in der Deutschen Bucht
ermittelt und bei den Hafenstaatkontrollen in Deutschland ist eine
Steigerung der Anzahl von Schiffen mit technischen Mängeln festgestellt
worden. Es ist daher anzunehmen, dass viele Maßnahmen zusammen, wie
verschärfte Regelungen, intensivierte Überwachung und ein verbesserter
Vollzug bei Regelverstößen und Umweltdelikten (Abschreckung durch
Strafen) zusammen zu Verhaltensänderungen bei den Kapitänen geführt
haben (Entsorgung nicht auf See sondern an Land). Inwieweit ein
gestiegenes Umweltbewusstsein der Kapitäne und Reeder bzw. der Seefahrt
insgesamt hier auch eine Rolle spielt, ließe sich z.B. durch Befragungen
der Kapitäne untersuchen.
FaZit
Die systematischen Spülsaumkontrollen begannen in
Deutschland Anfang der 80er Jahre und dokumentieren die Zeit nach der Einführung
von MARPOL I. Die Daten weisen seitdem eine kontinuierliche Verbesserung
der Verschmutzungssituation in der Deutschen Bucht auf. Der generell
abnehmende Trend der Verölungsraten wird aber von zeitlich-räumlichen
Abweichungen überlagert. Die Verölungsraten in Niedersachsen sind im
Zeitraum 1984 – 2000 kontinuierlich gefallen. Die vor allem in
Schleswig-Holstein registrierte Zunahme der Verölungsraten vieler Arten
nach einem scheinbaren „Tief“ Mitte der 90er Jahre ist mit ziemlicher
Sicherheit durch steigendes Schiffsverkehrsaufkommen in dieser Region zu
dieser Zeit verursacht worden.
Verschiedene Aspekte - wie auch die Öffnung zum
Osten Anfang der 90er Jahre - deuten darauf hin, dass in den 90ern eine
Umlagerung des Schiffsverkehrs zu und von der Ostsee stattgefunden hat,
durch den Nordostseekanal bzw. durch Skagerrag / Kattegat. Im
Nordostseekanal ist ein Rückgang des Verkehrs Anfang der 90er Jahre und
vor allem ab 1996, beim Seeverkehr über Skagerrag / Kattegat eine
Steigerung ab Mitte der 90er zu verzeichnen. Zusätzlich weist die
Seeverkehrsstudie im Rahmen dieses Vorhabens steigendes
Schiffsverkehrsaufkommen und ein wachsendes Verschmutzungspotential auf
den Routen zu und von der Ostsee im Zeitraum 1992 – 1999 auf.
Aufgrund unserer Untersuchungen gibt es keinen
Hinweis dafür, dass die kostenlose Ölentsorgung in den deutschen Häfen
allein zu der deutlichen Verringerung der Ölbelastung der südlichen
Nordsee Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre geführt hat. Es gibt auch
kein Anzeichen dafür, dass die - nach Beendigung bzw. schrittweiser
Einstellung der Schiffsentsorgung - nun geringeren in den Häfen
abgegebenen Mengen entsorgter Ölrückstände zu einer Erhöhung der Ölverschmutzung
in der Deutschen Bucht geführt haben. Die erneute Zunahme der Verölungsraten
Mitte der 1990er Jahre verlaufen regional in Schleswig-Holstein und sind
mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die Zunahme im Schiffsaufkommen der
Schleswig-Holstein benachbarten Seegebiete verursacht. Es gibt jedoch
deutliche Anzeichen dafür, dass zeitgleich mit der
Ausweisung der Nordsee zum Sondergebiet nach MARPOL I eine
Reduzierung der Verschmutzung der südlichen Nordsee mit Öl eingesetzt
hat.
Insgesamt ist davon auszugehen, dass ein Bündel von
Maßnahmen der letzten 20 Jahre zu einer schrittweisen Verbesserung der Ölbelastung
innerhalb der Deutschen Bucht geführt hat. Es ist anzunehmen, dass
Verhaltensänderungen in der Seefahrt – ausgelöst durch verschärfte
Regelungen, effektivere Überwachung sowie Abschreckung durch Strafen bei
Verstößen und möglicherweise ein verändertes Umweltbewusstsein dafür
verantwortlich sind.
Trotz Verringerung sind die Verölungsraten vor allem
der Hochseearten an der deutschen Nordseeküste immer noch sehr hoch. Spülsaumkontrollen
und Ölanalysen müssen fortgesetzt werden, um zu zeigen, ob der
Sondergebietsstatus der Nordsee und die zu erwartende Ausweisung des
Wattenmeeres als „Particularly Sensitive Sea Area (PSSA)“ durch die
IMO zu einer weiteren Reduzierung der Verölungsrate bei Vögeln führen.
Die Ergebnisse der letzten zwei Winter geben Grund zur Hoffnung.
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ANSPRECHPARTNER
Ansprechpartnerin für alle fachlichen
und inhaltlichen Fragen zu diesem Vorhaben ist die länderübergreifende
Koordinatorin:
Dipl. Ing. Bettina Reineking
c/o Gemeinsames Wattenmeersekretariat (CWSS)
Virchowstrasse 1
D - 26382 Wilhelmshaven
Tel. + 49 (0) 4421 - 9108 - 14
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