Zusammenfassung
Vögel sind die auffälligsten
Opfer und zuverlässige Bioindikatoren für Ölverschmutzungen
auf See. Standardisierte, langfristige Erfassungen angeschwemmter
Vögel und Verschmutzungen auf repräsentativen Küstenabschnitten
sind daher gut geeignet, das Ausmaß der chronischen Ölverschmutzung
zu dokumentieren. Spülsaumkontrollen (Beached Bird Surveys,
BBSs) werden mit Hilfe Freiwilliger seit etwa 20 bis 30 Jahren
an etlichen Küstenabschnitten der Nordseeanrainerstaaten
durchgeführt. Die Verölungsrate - der Anteil verölter
Vögel unter allen Totfunden - hat sich dabei als wertvoller
Indikator für die Intensität der Verschmutzung der Meere
durch Öl herausgestellt.
Die chemische Analyse des Öls aus
dem verschmutzten Gefieder dient der Identifizierung der Substanz,
ihrer Herkunft, sowie des Verursachers der Verschmutzung. Nach
wie vor sind Brennstoffrückstände aus dem Schiffsbetrieb
hauptverantwortlich für die Verunreinigungen an der dänisch-deutsch-niederländischen
Nordseeküste. Die Effektivität von Maßnahmen zur
Reduzierung der Ölverschmutzung, wie z.B. die Bereitstellung
von Entsorgungseinrichtungen und die Luftüberwachung kann
mit Hilfe der Spülsaumuntersuchungen und der Ölanalyse
ermittelt werden.
Nachdem für die deutsche Nordseeküste
für den Zeitraum 1988/89 bis 1990/91 ein Rückgang der
Verölungsrate festgestellt wurde - zeitgleich mit der Einführung
der kostenlosen Ölentsorgung in allen deutschen Häfen
- weisen die Ergebnisse der Spülsaumkontrollen ab 1991/92
auf eine erneute Zunahme der Verölung von Vögeln in
der Deutschen Bucht hin. Der Verdacht liegt nahe, daß sie
auf erhöhte illegale Öleinleitungen zurückzuführen
sind, nachdem seit 1991die kostenlose Ölentsorgung von Bund
und Ländern stufenweise zurückgenommen wurde.
Auf der 4. Internationalen Nordseeschutz-Konferenz
1995 in Esbjerg haben die verantwortlichen Minister die Nützlichkeit
von Spülsaumkontrollen als Indikator der Effizienz der Politik,
die Verschmutzung der Nordsee durch Öl zu reduzieren, anerkannt.
Sie beschlossen, die nationale und internationale Koordination
des Spülsaummonitorings sowie die Analyse und Verbreitung
der Ergebnisse zu fördern. Die Parameter "Beached Bird
Survey" und "Ölanalyse" wurden, sowohl im
Rahmen von OSPARCOM als Parameter des "Joint Assessment and
Monitoring Program, JAMP", als auch innerhalb der trilateralen
Wattenmeerzusammenarbeit im "Trilateral Monitoring and Assessment
Program, TMAP" aufgenommen und Richtlinien für die Methoden
erarbeitet, so daß mit der gemeinsamen europaweiten Umsetzung
des Spülsaummonitorings begonnen werden kann.
Abstract
Birds are the most remarkable victims
and reliable biological indicators for oil pollution on sea. Standardized,
long-term registrations of beached birds and pollution at representative
coastal strips are very suitable to document the extent of the
chronical oil pollution. In several North Sea countries, Beached
Bird Surveys (BBSs) have been carried out for about 20 - 30 years
with the help of volunteers. The rate of oil pollution - the share
of oiled beached birds among all dead birds found - has revealed
itself as a valuable indicator for the intensity of oil pollution
of the seas.
The chemical analysis of the oil from
polluted feathers serves as identification of the substance, its
origin and its cause. Fuel residues from shipping are still mainly
responsible for the pollution along the Danish-German-Dutch North
Sea coast. With the help of the Beached Bird Surveys and the oil
analysis the efficiency of measures taken to reduce the contamination
caused by oil, such as e. g. providing reception facilities and
airbone surveillance, can be determined.
After a decline in the rate of oil pollution
had been established in the years of 1988/89 to 1990/91 - isochronus
with the introduction of reception facilities free of charge in
all German harbours - the results of the Beached Bird Surveys
since 1991/92 show a new incline of oiled beached birds in the
German Bay. It seems very likely to suspect that this fact is
based on increased illegal dumping of oil into the sea since the
Federal Government and Federal States has started to take back
the oil disposal free of charge gradually in 1991.
At the 4th North Sea Conference in Esbjerg
1995, the responsible ministers recognized the usefulness of the
monitoring of the oiling rate of beached birds as an indicator
of the effectiveness of policies to reduce oil pollution at sea.
They agreed to encourage the national and international coordination
of monitoring of beached birds and the analyses and dissemination
of the monitoring results. The parameters "Beached Bird Survey"
and "oil analysis" have been included within the framework
of OSPARCOM as JAMP-parameter, as well as, within the Trilateral
Wadden Sea Cooperation in the "Trilateral Monitoring and
Assessment Program, TMAP". Guidelines have been worked out
and passed, so that the BBS-Monitoring can be started and put
into action cooperatively Europe-wide.
1 Einleitung
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gibt
es Ölverschmutzungen auf See durch den Schiffsverkehr. Trotz
umfangreicher internationaler Konventionen und Vereinbarungen
ist die Verschmutzung der Nord- und Ostsee durch Öl auch
heute noch als inakzeptabel hoch einzustufen. Immer wieder erscheinen
Berichte über Massensterben von Vögeln durch auf See
treibendes Öl. Die chronische oder schleichende Ölverschmutzung,
verursacht durch illegale Einleitungen von Brennstoffrückständen
oder öligen Bilgen- und Ballastwasser, spielen dabei eine
viel bedeutendere Rolle als akute Ölverschmutzungen durch
Schiffsunfälle oder sonstige Katastrophen.
Ein Vogel, der mit Öl in Kontakt
kommt, verliert sofort die Wasserfestigkeit seines Gefieders,
es saugt sich voll Wasser. Der Vogel kann sich nur noch schwer
über Wasser halten und versucht möglichst Land zu erreichen.
Zwanghaft beginnt er sofort sich zu putzen und schluckt dabei
Öl. Dabei kommt es zu Verätzungen des Magen-Darm-Kanals,
die eine Verdauung von Nahrung unmöglich machen. Ertrinken,
Verhungern oder Vergiftung sind mögliche Todesursachen dieser
Tiere.
Beobachtungen verölter Vögel
am Strand, sogenannte Spülsaumkontrollen, haben sich in den
letzten zwei Jahrzehnten zu einem anerkannten Monitoring-Parameter
für die Erfassung von Trends der Ölbelastung auf See
in Überwachungsprogrammen entwickelt. Anhand von Ergebnissen
verschiedener Untersuchungen und Vorhaben aus dem europäischen,
insbesondere dem deutschen Raum, wird diese Entwicklung dargestellt
(AVERBECK ET AL. 1993; CAMPHUYSEN 1995; DAHLMANN ET AL. 1994;
DANIELSEN ET AL. 1990).
2 Spülsaumkontrollen - Beached
Bird Surveys
In den letzten Jahrzehnten hat sich
der Charakter der Spülsaumkontrollen oder "Beached Bird
Surveys, BBSs" von individuellen Berichten und Zählungen
von Ölopfern am heimischen Strand, zu regional, national
und später international koordinierten Zählungen mit
mehr und mehr standardisierten Methoden verändert (s. Tab.
1). Auf die Mitarbeit von Freiwilligen sowie Vertretern der Naturschutzverbände
(in Deutschland z.B. Verein Jordsand, Schutzstation Wattenmeer,
Mellumrat) kann bei der Durchführung von Spülsaumkontrollen
auch heute nicht verzichtet werden.
Deutsche Nordseeküste
1960 richtete der damaligen Leiter der
Inselstation der Vogelwarte Helgoland, Gottfried Vauk, auf der
Insel die erste Dauerzählstrecke in Deutschland für
Ölopfer im Spülsaum ein (VAUK & PIERSTOFF 1973,
VAUK & REINEKING 1980). Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre
verzeichneten die Wissenschaftler gegenüber den Vorjahren
einen deutlichen Anstieg der Ölopferzahlen. Auf der Suche
nach möglichen Verschmutzungsquellen konnten daraufhin mit
Unterstützung des Umweltbundesamtes, UBA, ab 1983 über
die ganze deutsche Nordseeküste verteilt ausgewählte
Küstenabschnitte für Spülsaumkontrollen eingerichtet
werden. Gleichzeitig begann das Bundesamt für Seeschiffahrt
und Hydrographie, BSH, das Öl aus dem Gefieder der verölt
gefundenen Vögel und von Strandverschmutzungen zu analysieren
(VAUK ET AL. 1989). Das Projekt "Seevögel als Ölopfer
- Seevogelverluste durch Öl und Müll an der deutschen
Nordseeküste" wurde ab 1988 als wissenschaftliche Begleituntersuchung
zur Erfolgskontrolle für das Pilotvorhaben "Kostenlose
Ölentsorgung" bis 1992 weitergeführt (AVERBECK
ET AL. 1993). Seit 1992 laufen die Spülsaumkontrollen in
Niedersachsen unter der Regie des Staatlichen Amtes für Insel-
und Küstenschutz, STAIK, und in Schleswig-Holstein durch
das Landesamt für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches
Wattenmeer jeweils mit Hilfe von Mitarbeitern, Freiwilligen sowie
Verbandsvertretern (FLEET ET AL. 1995). Die seit 1982 regelmäßig
durchgeführten Analysen der Ölproben mußten aus
finanziellen Gründen ab 1992 eingestellt werden.
Niederländische und dänische
Nordseeküste
An der gesamten niederländischen
Küste gibt es seit etwa 50 Jahren koordinierte Beached Bird
Surveys (CAMPHUYSEN 1989). Ölanalysen von Gefieder- und Strandproben
konnten jedoch, wie auch in Dänemark, nur innerhalb eines
dreijährigen trilateralen Projektes "Vergleichende Untersuchungen
an verölten Vögeln und Stränden" zwischen
1990 - 92 durchgeführt werden. Alle Ölproben in diesem
dänisch-deutsch-niederländischen Projekt, das von der
Europäischen Kommission und vom UBA finanzielle Unterstützung
erhielt, wurden in der BSH analysiert. Mit diesem Projekt wurde
die gesamte Nordseeküste von der Rheinmündung bis zum
Skagerrak abgedeckt (CAMPHUYSEN & FRANEKER 1991; DAHLMANN
ET AL. 1994).
Dänemark beteiligt sich an dem
einmal im Jahr, jeweils am letzten Wochenende im Februar stattfindenden
Internationalen Beached Bird Survey, IBBS, der seit Anfang der
70er Jahre im Nordseeraum (Belgien, Frankreich, den Niederlanden,
Bundesrepublik Deutschland, Dänemark, Norwegen, Großbritannien),
seit 1988/91 teilweise auch im Ostseebereich, durchgeführt
wird. Beim IBBS sind mehr als 1000 freiwillige Beobachter beteiligt
und bis 1992 erfolgte die nationale und internationale Koordination,
Auswertung und Veröffentlichung der Ergebnisse freiwillig
ohne nennenswerte finanzielle Unterstützung. Seit 1988 besteht
eine IBBS-Datenbank bei 'Ornis Consult' in Dänemark. In der
Zeit von 1992 - 94 unterstützte die Europäischen Kommission
die internationale Koordination und Auswertung des IBBS (SKOV
mündl. Mittl.).
Tab. 1:
Entwicklung und Stand der Spülsaumkontrollen - Beached Bird
Surveys an der Nordseeküste in den Niederlanden, der Bundesrepublik
Deutschland und Dänemark (Camphuysen 1995; Vauk et al. 1987;
Danielsen et al. 1990)
Spülsaumkontrollen als Erfolgskontrolle
Ab 1988 wurde in allen deutschen Häfen
der Nord- und Ostsee die kostenlose Ölentsorgung nach MARPOL-Anlage
I eingeführt (z.B. FLEET ET AL. 1995). Das gemeinsam von
Bund und Ländern finanzierte Pilotvorhaben "Kostenlose
Schiffsentsorgung" wurde zwar nach vier Jahren 1991 beendet,
die kostenlose Schiffsentsorgung zunächst jedoch von den
vier norddeutschen Küstenländern allein weitergeführt.
1992 setzte Schleswig-Holstein statt der kostenlosen Entsorgung
auf das Verursacherprinzip, und Hamburg schloß zunächst
Ladungsreste sowie Tankwasch- und Ballastwasser von der kostenlosen
Entsorgung aus. Seit 1994 führt Hamburg nur noch Entsorgungsvorgänge
bis maximal 1.600 DM pro Vorgang kostenlos aus. Bremen hat schließlich
die kostenlose Schiffsentsorgung 1996 beendet.
In Abbildung 2 sind die Entsorgungsmengen
der Ölrückstände aus dem Schiffsbetrieb in den
deutschen Nordseehäfen seit 1988 dargestellt (zusammengestellt
vom STAIK 1996). 1990, dem letzten vollständigen Jahr innerhalb
des Pilotvorhabens, wurden fast 170.000 t Öl-Wasser-Gemische
entsorgt, nachdem in den ersten Jahren aufgrund der allmählichen
Akzeptanz der Entsorgunskapazitäten geringere Abgabemengen
zu verzeichnen waren. Der Rückgang der Entsorgungsmengen
nach 1990 (etwa 100.000 t pro Jahr) läßt sich entweder
durch eine Verringerung der Wasseranteile bei den abgegebenen
Mengen erklären, oder dadurch, daß die Entsorgung aus
Kostengründen in anderen Häfen, z.B. in Großbritannien,
vorgenommen oder aber, daß vermehrt illegal auf See entsorgt
wurde.

Abb. 2:
Entsorgungsmengen der Ölrückstände aus dem Schiffsbetrieb
in den deutschen Nordseehäfen im Zeitraum 1988 - 1995.
(NIEDERSÄCHSISCHES UMWELTMINISTERIUM; zusammengestellt vom
STAIK 1996)
Das Pilotvorhaben "Kostenlose Schiffsentsorgung"
wurde sowohl während des Projektes als auch danach durch
Spülsaumbegehungen zur Erfolgskontrolle wissenschaftlich
begleitet. Abbildung 3 (zusammengestellt vom STAIK 1996) zeigt
die Entwicklung der Verölungsrate bei Seevögeln am Beispiel
der niedersächsischen Kontrollstrecken für die Jahre
1993 - 96. Mit Beginn der Einführung der kostenlosen Schiffsentsorgung
ist gegenüber dem Vergleichszeitraum 1983/84 - 1986/87 eine
Abnahme der Verölungsrate bei der im Spülsaum gefundenen
Trottellummen zu verzeichnen. Nach dem schrittweisen Ausstieg
aus der kostenlosen Schiffsentsorgung seit 1991 sind wieder steigende
Verölungsraten zu verzeichnen. Das bedeutet insgesamt eine
erneute Zunahme der Verölungen von Vögeln in der Deutschen
Bucht. Der Verdacht liegt nahe, daß die Verölung auf
erhöhte illegale Öleinleitungen in die südliche
Nordsee zurückzuführen sind.

Abb.3:
Entwicklung der Verölungsrate bei Seevögeln 1983 - 1996.
Verölungsrate bezogen auf die Gesamtzahl der toten Vögel,
die auf den vom Staatlichem Amt für Insel- und Küstenschutz
betreuten Kontrollflächen in den Winterhalbjahren 83/94 -
95/96 gefunden wurden. (zusammengestellt vom STAIK 1996)
Beim Zentralen Meldekopf Küstenwache,
ZMK in Cuxhaven ist bei der Anzahl registrierten Gewässerverschmutzungen
nach einem Rückgang im Zeitraum 1988 - 91 seit 1992 wieder
eine Zunahme zu verzeichnen (Abb. 4) (FLEET ET AL. 1995; ZMK 1996).
Die seit Beginn der Luftüberwachung 1986 beim Wasser- und
Schiffahrtsamt Cuxhaven geführte Statistik "Beobachtete
Verschmutzung pro Flugstunde" ergibt dagegen für die
genannten Zeiträume keine nennenswerte Unterschiede (SCHROH
mündl.).

Abb. 4: Beim
Zentralen Meldekopf Küstenwache (ZMK) Cuxhaven registrierte
Meldungen über Gewässerverunreinigungen in der Nord-
und Ostsee für den Zeitraum 1986 - 1994. (nach FLEET ET AL.
1995; ZMK 1996)
Für Beached Bird Surveys ist die
Abgrenzung des Kontrollgebietes sehr wesentlich, da dieser Parameter
als Indikator für Ölverschmutzungen des gesamten Nordseebereiches
gilt. Das hat das trilaterale Projekt mit der Einbeziehung der
Küstenbereiche von der Rheinmündung bis zum Skagerrak
- also über das eigentliche Wattenmeergebiet hinaus - deutlich
gezeigt. Andernfalls könnten die Ergebnisse von Ölanalysen
zu Rückschlüssen führen, die aufgrund eines eingeschränkteren
Spülsaumkontrollgebietes nicht angemessen sind. Daraufhin
eingeleitete Gegenmaßnahmen könnten ins Leere laufen,
da die tatsächliche Situation nicht richtig einschätzt
werden konnte.
Seit 1992, dem Zeitpunkt der Beendigung
der Finanzierung des trilateralen und des deutschen Spülsaumprojektes
wurden keine Ölanalysen mehr durchgeführt. Demnach können
heute keine Aussagen darüber gemacht werden, ob nach wie
vor Brennstoffrückstände die Hauptverursacher sind oder
andere Ursachen wesentliche Anteile an der Verschmutzung haben.
Diese Kenntnis ist aber notwendig, um gezielt Maßnahmen
gegen die chronische Verölung auf See einzuleiten und die
Effektivität der Maßnahmen zu beobachten. Hier wird
deutlich, daß Spülsaumkontrollen und Ölanalysen
als Einheit zu betrachten sind.
4 Beached Bird Survey und Ölanalyse
- anerkannte Monitoring Parameter
Die Empfindlichkeit von Spülsaumkontrollen
wurde in den 80/90er Jahren verdeutlicht. Zum Teil sind lange
Datenreihen zum Spülsaummonitoring in vielen Nordseeländern
bereits vorhanden, zum anderen bestehen umfangreiche Beobachtungsnetzwerke
mit freiwilligen Zählern an vielen Strecken der Nordsee.
Standardisierte Erfassungsmethoden auf festgelegten Kontrollstrecken
wurden erprobt und verbessert, um eine gleichbleibende Kontrollintensität
zu erreichen. Die vorgestellten Beispiele zeigen, daß Spülsaumkontrollen
und Ölanalysen als Indikator für regionale und überregionale
Trends in der Ölbelastung der Nordsee geeignet sind. Zur
Umsetzung dieser Parameter in Monitoringprogrammen bedurfte es
zunächst der internationalen Anerkennung und Aufnahme dieser
Parameter in die jeweiligen Monitoringprogramme.
1990 stellte die International Maritime
Organization, IMO fest, daß es zu diesem Zeitpunkt weltweit
noch kein geeignetes effektives Überwachungsprogramm gab,
um den Grad der Einhaltung bzw. das Ausmaß der Übertretung
von MARPOL-Anhang-I-Regeln festzustellen. Als mögliche Indikatoren
dafür kamen die beobachtete Anzahl von Ölflächen
bei der Flugüberwachung, die Entsorgungsmengen in den Häfen
oder das Vorkommen von verölten Vögeln am Strand in
Frage. Auf der 3. Internationalen Nordseeschutz-Konferenz (INK)
1990 vereinbarten die Minister der Nordseeanrainerstaaten, daß
untersucht werden soll, ob BBSs zusammen mit Ölanalysen als
Indikator für die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Reduktion
von Ölverschmutzungen auf See geeignet sind.
Aufgrund der Vorlage des niederländischen
Berichtes von CAMPHUYSEN & FRANEKER '"The value of beached
bird surveys in monitoring marine oil pollution" 1992, in
dem alle verfügbaren Daten bewertet wurden, konnten die Minister
auf dem "Interministerial Ministers Meeting, IMM" 1993,
einem Treffen zwischen den Nordseekonferenzen, feststellen, daß
BBS ein geeigneter Indikator für die Wirksamkeit von Maßnahmen
zur Reduktion von Ölverschmutzungen ist und daß das
Monitoring verölter Seevögel daher weitergeführt
werden sollte.
In der Ministererklärung der 4.
INK 1995 wurde der folgende Text aufgenommen: Die "Nordseeanrainerstaaten
erkennen die Nützlichkeit von Spülsaummonitoring als
Indikator der Effizienz der Politik an, die Verschmutzung der
Nordsee durch Öl zu reduzieren (mit Hinweis auf die Aktivitäten
bei OSPARCOM bzw. JAMP), und sie stimmen überein, die nationale
und internationale Koordination des Spülsaummonitorings,
sowie die Analyse und Verbreitung der Ergebnisse zu fördern."
Daraufhin wurden für das gemeinsame
Monitoringprogramm JAMP im Rahmen von OSPARCOM Methoden-Richtlinien
für BBSs und die Analyse von Öl erarbeitet und von der
Expertengruppe ASMO 1996 verabschiedet. Ein Vorschlag zur Umsetzung
von JAMP, demzufolge zunächst ein Teilprogramm (Minimumprogramm)
für die Mitgliedstaaten von OSPARCOM verpflichtend sein soll,
liegt vor und wird in den Gremien diskutiert. Über das weitere
Vorgehen jedoch wird erst 1998 wieder verhandelt. Um das bereits
bestehenden internationale BBS-Netzwerk und die Koordination des
IBBSs zu nutzen, plädierte Dänemark mit seinem 1997
bei der Expertengruppe ASMO vorgelegten Vorschlag für ein
schnelleres Vorgehen bei der Umsetzung des BBS-Parameters. Danach
soll zunächst ein modifizierter IBBS zweimal im Jahr (Jan.
+ Febr.) mit Freiwilligen durchgeführt werden, bei dem einige
fehlende Länder bzw. Küstenabschnitte ergänzt werden
müßten. Die internationale BBS-Koordinationsgruppe,
bestehend aus den nationalen Koordinatoren, seien gewillt, die
Auswertung der Ergebnisse und die Meldung an OSPARCOM zu übernehmen.
Dieser Vorschlag sei in 2 Jahren im Geltungsbereich von OSPARCOM
realisierbar. Ein einheitliches Vorgehen in diesem Sinne konnte
jedoch 1997 noch nicht erzielt werden.
Im Rahmen der Trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit
haben sich Dänemark, Deutschland und die Niederlande zur
Aufgabe gemacht, ab 1.1.1994 stufenweise das gemeinsam beschlossene
"Trilateral Monitoring and Assessment Program, TMAP"
(TMEG 1993), das auch die Parameter "BBS und Ölanalyse"
einschließt, umzusetzen. Eine trilaterale Expertengruppe
BBS wurde 1995 eingerichtet .
5 Ausblick
Eine weiterführende Erfassung der
Verölungsraten wird Aufschluß über die Entwicklung
der Öleinträge in die Nordsee sowie die Wirksamkeit
von Maßnahmen zur Eindämmung der Verschmutzung geben.
Die Erfassung der verölten Vogelkadaver als Bioindikatoren
für Ölverschmutzungen hat neben der Flugüberwachung
einen hohen Stellenwert, da sie Informationen über das Vorkommen,
die Verbreitung und Häufigkeit von illegalen Ölverschmutzungen
liefern kann. Spülsaumkontrollen können jederzeit durchgeführt
werden und durch sie werden auch Folgen nächtlicher Aktionen
und Einleitungen, die bei rauher See durchgeführt wurden,
sichtbar. BBSs und Luftüberwachung ergänzen sich aufgrund
der unterschiedlichen Ansätze ihrer Methoden sehr gut.
Die Aussagekraft systematischer Spülsaumuntersuchungen
gewinnt weiterhin erheblich, wenn sie mit anderen Erkenntnisquellen
in Verbindung gebracht wird. Mit Hilfe von Ausbreitungs- und Strandungsmodellen
schwimmender Materialien, die Meeresströmung und Windfeld
berücksichtigen, ergeben sich Hinweise für Küstenabschnitte,
die besonders von Verunreinigungen betroffen sind und sie lassen
Schlußfolgerungen über den Verbleib der eingebrachten
Menge zu. Demnach sind BBSs, Ölanalysen und Driftmodelle
als Einheit zu betrachten. Durch Spülsaumkontrollen, Analysen
der Ölverschmutzungen sowie unter Zuhilfenahme der Angaben
von Ölmeldungen, den Entsorgungsmengen, der Ergebnisse der
Flugüberwachung sowie der Einbeziehung der Auswertung der
Strömungs- und Windverhältnisse in den betroffenen Gewässern
und einer Abschätzung der anfallenden Ölrückstände
können die Öleinträge in Nord- und Ostsee bestimmt,
quantifiziert und bewertet werden. Die Verknüpfung und Auswertung
der Ergebnisse erfordert die Zusammenarbeit mit vielen Institutionen
und Datenerhebern, aber nur so können weitere offene Fragen
beantwortet werden.
Die Etablierung und tatsächliche
Umsetzung von Parametern eines Monitoringprogramms im internationalen
Bereich, das auf Dauer gewährleistet und gesichert sein muß,
ist immer vom Willen der einzelnen Staaten und - mehr noch - von
der Finanzierbarkeit abhängig. Für die Umsetzung der
Parameter BBS und Ölanalyse ist dabei wesentlich, daß
die dauerhafte Koordination und Auswertung finanziell abgesichert
sind, daß Spülsaumkontrollen und Ölanalysen gemeinsam
durchgeführt werden und Kontrollstrecken im gesamten Konventionsbereich
von OSPARCOM und HELCOM vorhanden sind.
In der Bundesrepublik Deutschland wurde
bereits 1994 eine deutsche Richtlinie zur Durchführung der
Spülsaumkontrollen erarbeitet, die im Wesentlichen mit den
später unter OSPARCOM entwickelten internationalen "Guidelines"
übereinstimmt. Auf der Umweltministerkonferenz-Nord 1996
haben die Minister der Küstenländer einstimmig beschlossen,
den Bund zu bitten, das gemeinsame Bund-Länder-Untersuchungsprogramm
über verölte Seevögel in Nord- und Ostsee wieder
aufzunehmen. Dieses wird zur Zeit vom Umweltbundesamt geprüft.
Zur Zeit fehlt an der deutschen Ostseeküste
noch ein BBS-Netz. Die westliche Ostsee weist stark befahrene
Schiffahrtsrouten auf und ist mit vielen Küstenbereichen
nach der RAMSAR-Konvention Vogelrastgebiet von internationaler
Bedeutung. Die gesamte Ostsee ist seit 1983 "Special Area"
nach MARPOL Anlage I, d.h. Öl darf im Prinzip nicht über
Bord gegeben werden. Seit dem Zusammenbruch des sozialistischen
Wirtschaftssystem ist in der gesamten Ostsee eine generelle Zunahme
des Schiffsverkehrs und steigender Ölhandel und -transport
per Schiff (hauptsächlich Rohöl) zu verzeichnen. Eine
Zunahme von Substandardschiffen, ungenügende Verfolgung von
Delikten und keine oder veraltete Entsorgungseinrichtungen in
den Häfen vieler Ostseestaaten sind die Regel. In einigen
Ostseeanrainerstaaten konnten bereits Spülsaumkontrollen
durchgeführt werden, aber lange BBS-Datenreihen fehlen. Ölunfälle
wurden zumeist - bezogen auf die Vogelwelt - dokumentiert. Luftüberwachung
gibt es neben der Bundesrepublik Deutschland in Schweden, Dänemark
sowie seit 1994/95 auch in Polen und Finnland. Die beim ZMK gemeldeten
Gewässerverunreinigungen der deutschen Ostsee sind generell
seit Jahren wesentlich niedriger als in der Nordsee, ein klarer
Trend ist jedoch nicht erkennbar (ZMK 1996).
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