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ERGEBNISSE UND DISKUSSION Die Verteilung der Müllteile am seeseitigen Strand ist nicht gleichmäßig (Abb. 1). Der meiste Müll wird im Abschnitt Nr. 2 angespült; deutlich weniger findet sich am Abschnitt Nr. 3, während sehr wenig Müllteile am Abschnitt Nr. 1 angespült werden (schriftl. Mittlg. V. SCHEIL, Juli 1997). Während der 5 Erfassungstermine vom April bis Dezember 1996 (Tab.1) wurden insgesamt 1243 Müllteile erfaßt. Die Gesamtmüllmenge ist als Müll von Schiffen zu bezeichnen. Tab. 1: Saisonale Erfassung des Mülls von Schiffen am seeseitigen Strand des NSG "Oehe-Schleimünde" nach Anzahl der Müllteile im Jahre 1996 (Kontrollstrecke: 3 km).
Den Hauptmengenanteil (ohne die Komponente "Holz") während des Untersuchungszeitraumes mit 671 Teilen (= 54,0%) stellen Plastikgegenstände; darunter befanden sich 192 Plastiktüten, Planen und Folien, 72 Teile aus Styropor und Schaumgummi und 46 Schnüre, aber auch 18 Einwegfeuerzeuge. Die zweithäufigste Müllkategorie war "Glas und Porzellan" mit 20,6% (256 Teile), es folgte "Metall" mit 10,5% , "Fischereigerät" (Netze, Netzkugeln, Fischkisten und Schiffstaue) mit 6,2% und "Papier, Pappe" mit 5,3%. Bekleidung und Nahrungsmittel hatten einen Anteil vom 3,1% und 0,3%. In der Kategorie "Metall" wurden überwiegend geschlossene Behältnisse gefunden. Dieser Anteil am Gesamtaufkommen liegt sicherlich wesentlich höher, wie Zählrahmenauswertungen von SCHREY (1987) im Helgoländer Vorhafen ergeben haben. Unter den geschlossenen Behältnissen fanden sich auch solche mit für die Umwelt nicht ungefährlichem Inhalt: so wurde ein Kanister mit 0,5 l Nitroverdünner gefunden, ein weiterer enthielt 5 l Dieselkraftstoff; unter den angespülten Metallbehältern fanden sicheine Dose mit Ölfarbe sowie ein 5,5 kg schwerer Farbkanister. Eine mit 100 ml Schlagsahne gefüllte Spraydose stand noch unter Druck. Eine saisonale Aufteilung des Gesamtmüllaufkommens nach den einzelnen Erfassungstagen (Tab. 1) zeigt, daß im September 1996 der gestrandete Müll mit insgesamt 300 Teilen die größte Menge erreicht. Der Anteil an Plastik liegt in diesem Monat bei 61,7%. Glas und Porzellan sind mit 15,7% die zweithäufigste Müllkomponente; unter den 47 Teilen fanden sich allein 34 Flaschen. Bei ihren Untersuchungen im Jahre 1986/87 am gleichen Strandabschnitt fanden SCHREY & GROSCH (1990) im August/September die höchsten Müllmengen. Den Tourismus im Bereich der Schlei halten beide Autoren für die Quelle der Müllbelastung; Ausflugsdampfer und Segelboote seien die Verursacher. Für das Naturschutzgebiet "Oehe-Schleimünde" liegt bisher nur eine Analyse des an die Küste gespülten Mülls von Schiffen aus dem Jahre 1986/87 vor (SCHREY & GROSCH 1990). Diese Untersuchung wurde vor der Ausweisung der Ostsee zum Sondergebiet nach der MARPOL-Konvention im Jahre 1989 durchgeführt, die eine Entsorgung von Müll, bis auf Lebensmittelabfälle, auf See verbietet. Danach lag der Anteil des biologisch schwer abbaubaren Plastikmaterials bei 41,0%; es folgen die Müllkategorien "Metall" mit 23,1% und "Glas, Porzellan" mit 20,5% (Tab. 2). Nach den vorliegenden Daten der Erfassung aus dem Jahre 1996, vergleichbar umgerechnet auf eine Erhebung und 1000 m Kontrollstrecke, hat sich die Situation deutlich verändert (Tab. 2). Die Anzahl der angespülten Müllteile hat sich mehr als verdoppelt. Der Anteil an Plastikmaterial ist mit 53,6% deutlich höher als bei der Erhebung des Jahres 1986/87. Weiteren hohen Anteil am Gesamtmüllaufkommen haben "Glas, Porzellan" mit 20,2% und "Metall" mit 10,7%. Tab. 2: Vergleich des Mülls von Schiffen von Oehe-Schleimünde in den Jahren 1986/87 und 1996 nach Anzahl der Müllteile (n) und Prozentanteilen (%), umgerechnet auf 1 Erhebung und 1000 m Strecke (verändert nach SCHREY & GROSCH 1990). N = Anzahl der Erhebungen.
Die strengen, international geltenden Regeln nach MARPOL scheinen sieben Jahre nach ihrem Inkrafttreten nicht dazu geführt zu haben, daß die Strände der Ostsee nicht mit Über Bord gegangenen Müll von Schiffen belastet sind. Da für die Ostsee Müll von Schiffen bisher nicht in ein internationales Meßprogramm einbezogen worden ist (DAHLMANN & HARTWIG 1996), liegen Analysen zur Müllbelastung aus anderen Teilen der Ostsee nur begrenzt vor. Eine nicht repräsentative Erfassung des Strandmülls im Rahmen von "Coast Watch Europe" (DUBSKY & LARRAGY 1996) für das Jahr 1995 gibt an, daß z.B. besonders an der Küste Polens und Litauens der Anteil an Plastikflaschen von 1994 zu 1995 verhältnismäßig stark zugenommen hat, und daß das für See- und Küstenvögel gefährliche "6-er Pack Plastik" (HARTWIG, KORSCH & SCHREY 1992) im Vergleich zu anderen Ostseeanrainern häufiger an den Stränden dieser beiden Länder gefunden wurde. Der an die Küste angespülte Müll von Schiffen stellt ein kritische Belastung der Ostsee dar. Da die Einhaltung der einschränkenden Regelungen aus dem Helsinki-Abkommen und der MARPOL-Konvention auf See kaum zu Überwachen sind, sind zukünftig neben der verstärkten Kontrolle an Bord der Schiffe auch systematische Spülsaumuntersuchungen von exponierten Strandabschnitten im Rahmen eines offiziellen Erfassungsprogrammes erforderlich. ZUSAMMENFASSUNG Im Jahre 1996 wurde bei 5 Erfassungen von April bis Dezember der Müll von Schiffen am seeseitigen Strand (3 km lang) des NSG "Oehe-Schleimünde" nach Anzahl der Teile (insgesamt 1243 Stück) und z.T. nach Gewicht erfaßt und in Kategorien (Plastik, Papier, Metall, Glas, Fischereigerät, Bekleidung und Nahrungsmittel; Tab. 1) eingeteilt. Den Hauptmegenanteil mit 671 Teilen (= 54,0%) stellen Plastikgegenstände. Es folgen "Glas/Porzellan" mit 20,6% und "Metall" mit 10,5%; die Übrigen Kategorien bleiben unter 10%. Die saisonale Aufteilung des Gesamtmüllaufkommens weist im September 1996 die höchsten Mengen mit insgesamt 300 Teilen auf. Der Anteil an Plastik liegt in diesem Monat bei 61,7%. Die Ergebnisse der Müllerfassung werden verglichen und diskutiert mit Werten der Aufsammlung aus dem Jahre 1986/87 (Tab. 2). SUMMARY Garbage pollution by shipping 1996 in the seabird-reserve "Oehe-Schleimünde" (German Baltic Sea). In 1996 5 collections of beached litter from April until December were made at the sea-facing beach (3 km length) of the nature-reserve "Oehe-Schleimünde" (Fig. 1). The litter was recorded by number of items (total number of 1243 items) and partly weight in categories (plastic, paper, metal, glass, fishing gear, clothes, food stuff; Tab. 1). Plastic objects made up the main part (54.0%) by number followed by glass/china with 20.6% and metal by 10.5%. The share of all others was under 10%. A seasonal analysis of the beached litter indicates the September as month with the highest amount (300 litter items). Plastic objects made up 61.7% of the total amount this month. The results from the 1996-litter survey were compared and discussed with records from a collection at the same beach in 1986/87 with regard to regulations of the MARPOL-convention (Annex V).
LITERATUR DAHLMANN, G. & E. HARTWIG (1996): Schiffsverkehr, Müll- und Ölverschmutzung. - LOZAN, J.L., R. LAMPE, W. MATTHÄUS, E. RACHOR, H. RUMOHR & H.v. WESTERNHAGEN (Hrsg.): Warnsignale aus der Ostsee. Parey Buchverlag Berlin: 98-104. DUBSKY, K. & J. LARRAGY (1996): Coast Watch Europe Network (International Report of the 1995 Survey), I. Litter and Solid Waste on the European Coast. - Coastwatch Europe Network, Intern. Coordination, Environmental Sciences Unit, Trinity College Dublin: 45 S. HARTWIG, E., M. KORSCH & E. SCHREY (1992): Seevögel als Müllopfer in der Deutschen Bucht. - Seevögel 13/1: 1-4. LIEDTKE, G. & E. HARTWIG (1990): Untersuchungen zur Müllbelastung der Insel Scharhörn 1989. - Seevögel 11/1: 8-12. SCHREY, E. (1987): Untersuchungen zur Belastung der Deutschen Bucht durch Schiffsmüll. - In: VAUK, G., G. DAHLMANN, E. HARTWIG, J.C. RANGER, B. REINEKING, E. SCHREY & E. VAUK-HENTZELT: Ölopfererfassung an der deutschen Nordseeküste und Ergebnisse der Ölanalysen sowie Untersuchungen zur Belastung der Deutschen Bucht durch Schiffsmüll. Umweltbundesamt-Texte 29/87: 79-152. SCHREY, E. & K. GROSCH (1990): Garbage pollution by shipping in the seabird-reserve Oehe-Schleimünde (German Baltic Sea). - Baltic Birds 5: 127-131.
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