GAUSS
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"Seevögel als Indikatoren
für Ölverschmutzung"
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Have efforts to clean up the marine environment been successful? – German beached bird surveys provide an index for oil pollution levels in the southern North Sea (Oilspill Conference, September 2000)
Beached Bird Surveys at the German Coast (Wadden Sea Newsletter 2000- No.2, pdf, 33 KB)
Ölopfer in der Deutschen Bucht (1998-99, pdf, 190 KB)
Verölte Seevögel - Ölanalysen (1998/99, pdf, 18 KB)
Ölopfer in der Deutschen Bucht (1994-98, pdf, 120 KB)
Vogelsterben Feb/März 1999
Verölte Seevögel im Spülsaum (BSH-Symp. 97)
Rehabilitation von verölten Seevögel 
Ölkontaminierte Vögel - dauerhafte Rettung nicht möglich
Überlebenschancen verölter Seevögel - sind Rettungsmaßnahmen erfolgreich? Natur u. Landschaft 2000.
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Sicherheits- u. Notfallkonzept Deutsche Bucht
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(pdf, 190 KB)
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Scharhörn 1991
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(1996)
Scharhörn 1992-1994
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Scharhörn 1996
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Aus dem Institut für Naturschutz- und Umweltschutzforschung (INUF) des Verein Jordsand

Untersuchung zur Müllbelastung im NSG "Oehe-Schleimünde" 1996

Von Norbert Niedernostheide und Eike Hartwig

veröffentlicht in: SEEVÖGEL 19/4, 1998

 

EINLEITUNG

Nach dem Helsinki-Abkommen über den Schutz der Meeresumwelt des Ostseegebietes, das am 3. Mai 1980 in Kraft getreten ist, und dem Internationalen Übereinkommen zur Verhütung des Meeresverschmutzung durch Schiffe (MARPOL), das die Ostsee nach Anlage V (Müll) seit 1989 als Sondergebiet anerkennt, dürften die Strände der Ostsee nicht mit Müll von Schiffen belastet sein, da außer Lebensmittelabfälle (nicht näher als 12 Seemeilen von Land) keine anderen Abfälle über Bord gegeben werden dürfen.

Im vom Verein Jordsand betreuten Naturschutzgebiet "Oehe-Schleimünde" wurde von SCHREY & GROSCH (1990) im Jahre 1986/87 eine Analyse des angespülten Mülls von Schiffen durchgeführt. Mit der vorliegenden Untersuchung soll eine vergleichende Analyse der gegenwärtigen Situation vorgenommen werden.

Abb.1: Plan des NSG "Oehe-Schleimünde" mit Lage der Müll-Sammelstrecke (schraffiert). 1, 2 und 3 gibt Bereiche mit unterschiedlichem Verschmutzungsgrad an (siehe Text).

METHODE

An 6 Zählterminen im Jahre 1996 (24./26.3., 30.4., 28.7., 30.8., 25.9. und 4.12.) wurden im NSG "Oehe-Schleimünde" am ca. 3 km langen, nach Osten exponierten, seeseitigen Strand Aufsammlungen des schwimmenden bzw. treibenden Mülls durchgeführt (Abb. 1).

Der Müll wurde nach Anzahl der Teile und z.T. nach Gewicht erfaßt und in Kategorien (nach LIEDTKE & HARTWIG 1990) eingeteilt: Plastik/Styropor/Schaumgummi, Papier/Pappe, Metall, Glas/Porzellan, Fischereigerät, Bekleidung, Nahrungsmittel. Der Anteil an Holz konnte nicht bei allen Erfassungsterminen ermittelt werden, so daß er in die Auswertung nicht mit einbezogen wird. Nach der Registrierung wurde der gesammelte Müll im nördlichen Bereich des Strandes abgelegt und später von örtlichen Unternehmen entsorgt (schriftl. Mittlg. V. SCHEIL, Juli 1997).

Der Erfassungstermin 24./26.3.1996 wird in die Auswertung nicht mit einbezogen, da die gesammelten Müllteile (insgesamt 844 Teile mit einem Plastikanteil von 57,6%) aus einem längeren zurückliegenden Zeitraum (z.B. den Novemberhochwässer 1995) stammen und damit die Ergebnisse der weiteren Erfassungstermine verfälschen würde.

Danksagung: Für die tatkräftige Unterstützung bei der Feldarbeit danken wir Christel GRAVE und Volker ALBRECHT. Volker SCHEIL lieferte uns Angaben zur Müllverteilung am Strand.

ERGEBNISSE UND DISKUSSION

Die Verteilung der Müllteile am seeseitigen Strand ist nicht gleichmäßig (Abb. 1). Der meiste Müll wird im Abschnitt Nr. 2 angespült; deutlich weniger findet sich am Abschnitt Nr. 3, während sehr wenig Müllteile am Abschnitt Nr. 1 angespült werden (schriftl. Mittlg. V. SCHEIL, Juli 1997).

Während der 5 Erfassungstermine vom April bis Dezember 1996 (Tab.1) wurden insgesamt 1243 Müllteile erfaßt. Die Gesamtmüllmenge ist als Müll von Schiffen zu bezeichnen.

Tab. 1: Saisonale Erfassung des Mülls von Schiffen am seeseitigen Strand des NSG "Oehe-Schleimünde" nach Anzahl der Müllteile im Jahre 1996 (Kontrollstrecke: 3 km).

Art des Mülls 30.4. 28.7. 30.8. 25.9. 4.12. Summe
Plastik, Styropor Schaumgummi 146 160 84 185 96 671
Papier, Pappe 2 7 15 36 6 66
Metall 21 27 48 18 17 131
Glas, Porzellan 52 44 62 47 51 256
Fischereigerät 1 46 17 7 6 77
Bekleidung 12 11 5 7 3 38
Nahrungsmittel 1 1 - - 2 4
Gesamtsumme 235 296 231 300 181 1243

Den Hauptmengenanteil (ohne die Komponente "Holz") während des Untersuchungszeitraumes mit 671 Teilen (= 54,0%) stellen Plastikgegenstände; darunter befanden sich 192 Plastiktüten, Planen und Folien, 72 Teile aus Styropor und Schaumgummi und 46 Schnüre, aber auch 18 Einwegfeuerzeuge.

Die zweithäufigste Müllkategorie war "Glas und Porzellan" mit 20,6% (256 Teile), es folgte "Metall" mit 10,5% , "Fischereigerät" (Netze, Netzkugeln, Fischkisten und Schiffstaue) mit 6,2% und "Papier, Pappe" mit 5,3%. Bekleidung und Nahrungsmittel hatten einen Anteil vom 3,1% und 0,3%. In der Kategorie "Metall" wurden überwiegend geschlossene Behältnisse gefunden. Dieser Anteil am Gesamtaufkommen liegt sicherlich wesentlich höher, wie Zählrahmenauswertungen von SCHREY (1987) im Helgoländer Vorhafen ergeben haben.

Unter den geschlossenen Behältnissen fanden sich auch solche mit für die Umwelt nicht ungefährlichem Inhalt: so wurde ein Kanister mit 0,5 l Nitroverdünner gefunden, ein weiterer enthielt 5 l Dieselkraftstoff; unter den angespülten Metallbehältern fanden sicheine Dose mit Ölfarbe sowie ein 5,5 kg schwerer Farbkanister. Eine mit 100 ml Schlagsahne gefüllte Spraydose stand noch unter Druck.

Eine saisonale Aufteilung des Gesamtmüllaufkommens nach den einzelnen Erfassungstagen (Tab. 1) zeigt, daß im September 1996 der gestrandete Müll mit insgesamt 300 Teilen die größte Menge erreicht. Der Anteil an Plastik liegt in diesem Monat bei 61,7%. Glas und Porzellan sind mit 15,7% die zweithäufigste Müllkomponente; unter den 47 Teilen fanden sich allein 34 Flaschen. Bei ihren Untersuchungen im Jahre 1986/87 am gleichen Strandabschnitt fanden SCHREY & GROSCH (1990) im August/September die höchsten Müllmengen. Den Tourismus im Bereich der Schlei halten beide Autoren für die Quelle der Müllbelastung; Ausflugsdampfer und Segelboote seien die Verursacher.

Für das Naturschutzgebiet "Oehe-Schleimünde" liegt bisher nur eine Analyse des an die Küste gespülten Mülls von Schiffen aus dem Jahre 1986/87 vor (SCHREY & GROSCH 1990). Diese Untersuchung wurde vor der Ausweisung der Ostsee zum Sondergebiet nach der MARPOL-Konvention im Jahre 1989 durchgeführt, die eine Entsorgung von Müll, bis auf Lebensmittelabfälle, auf See verbietet. Danach lag der Anteil des biologisch schwer abbaubaren Plastikmaterials bei 41,0%; es folgen die Müllkategorien "Metall" mit 23,1% und "Glas, Porzellan" mit 20,5% (Tab. 2).

Nach den vorliegenden Daten der Erfassung aus dem Jahre 1996, vergleichbar umgerechnet auf eine Erhebung und 1000 m Kontrollstrecke, hat sich die Situation deutlich verändert (Tab. 2). Die Anzahl der angespülten Müllteile hat sich mehr als verdoppelt. Der Anteil an Plastikmaterial ist mit 53,6% deutlich höher als bei der Erhebung des Jahres 1986/87. Weiteren hohen Anteil am Gesamtmüllaufkommen haben "Glas, Porzellan" mit 20,2% und "Metall" mit 10,7%.

Tab. 2: Vergleich des Mülls von Schiffen von Oehe-Schleimünde in den Jahren 1986/87 und 1996 nach Anzahl der Müllteile (n) und Prozentanteilen (%), umgerechnet auf 1 Erhebung und 1000 m Strecke (verändert nach SCHREY & GROSCH 1990). N = Anzahl der Erhebungen.

Art des Mülls 1986/87 (N= 23) 1996 (N= 5)
  n % n %
Plastik, Styropor, Schaumgummi 16 41,0 45 53,6
Papier, Pappe 3 7,7 4 4,8
Metall 9 23,1 9 10,7
Glas, Porzellan 8 20,5 17 20,2
Fischereigerät 2 5,1 5 5,9
Bekleidung 1 2,6 3 3,6
Nahrungsmittel - - 1 1,2
Gesamtsumme 39 100 84 100

 

Die strengen, international geltenden Regeln nach MARPOL scheinen sieben Jahre nach ihrem Inkrafttreten nicht dazu geführt zu haben, daß die Strände der Ostsee nicht mit Über Bord gegangenen Müll von Schiffen belastet sind.

Da für die Ostsee Müll von Schiffen bisher nicht in ein internationales Meßprogramm einbezogen worden ist (DAHLMANN & HARTWIG 1996), liegen Analysen zur Müllbelastung aus anderen Teilen der Ostsee nur begrenzt vor. Eine nicht repräsentative Erfassung des Strandmülls im Rahmen von "Coast Watch Europe" (DUBSKY & LARRAGY 1996) für das Jahr 1995 gibt an, daß z.B. besonders an der Küste Polens und Litauens der Anteil an Plastikflaschen von 1994 zu 1995 verhältnismäßig stark zugenommen hat, und daß das für See- und Küstenvögel gefährliche "6-er Pack Plastik" (HARTWIG, KORSCH & SCHREY 1992) im Vergleich zu anderen Ostseeanrainern häufiger an den Stränden dieser beiden Länder gefunden wurde.

Der an die Küste angespülte Müll von Schiffen stellt ein kritische Belastung der Ostsee dar. Da die Einhaltung der einschränkenden Regelungen aus dem Helsinki-Abkommen und der MARPOL-Konvention auf See kaum zu Überwachen sind, sind zukünftig neben der verstärkten Kontrolle an Bord der Schiffe auch systematische Spülsaumuntersuchungen von exponierten Strandabschnitten im Rahmen eines offiziellen Erfassungsprogrammes erforderlich.

ZUSAMMENFASSUNG

Im Jahre 1996 wurde bei 5 Erfassungen von April bis Dezember der Müll von Schiffen am seeseitigen Strand (3 km lang) des NSG "Oehe-Schleimünde" nach Anzahl der Teile (insgesamt 1243 Stück) und z.T. nach Gewicht erfaßt und in Kategorien (Plastik, Papier, Metall, Glas, Fischereigerät, Bekleidung und Nahrungsmittel; Tab. 1) eingeteilt.

Den Hauptmegenanteil mit 671 Teilen (= 54,0%) stellen Plastikgegenstände. Es folgen "Glas/Porzellan" mit 20,6% und "Metall" mit 10,5%; die Übrigen Kategorien bleiben unter 10%.

Die saisonale Aufteilung des Gesamtmüllaufkommens weist im September 1996 die höchsten Mengen mit insgesamt 300 Teilen auf. Der Anteil an Plastik liegt in diesem Monat bei 61,7%.

Die Ergebnisse der Müllerfassung werden verglichen und diskutiert mit Werten der Aufsammlung aus dem Jahre 1986/87 (Tab. 2).

SUMMARY

Garbage pollution by shipping 1996 in the seabird-reserve "Oehe-Schleimünde" (German Baltic Sea).

In 1996 5 collections of beached litter from April until December were made at the sea-facing beach (3 km length) of the nature-reserve "Oehe-Schleimünde" (Fig. 1). The litter was recorded by number of items (total number of 1243 items) and partly weight in categories (plastic, paper, metal, glass, fishing gear, clothes, food stuff; Tab. 1).

Plastic objects made up the main part (54.0%) by number followed by glass/china with 20.6% and metal by 10.5%. The share of all others was under 10%.

A seasonal analysis of the beached litter indicates the September as month with the highest amount (300 litter items). Plastic objects made up 61.7% of the total amount this month.

The results from the 1996-litter survey were compared and discussed with records from a collection at the same beach in 1986/87 with regard to regulations of the MARPOL-convention (Annex V).

 

LITERATUR

DAHLMANN, G. & E. HARTWIG (1996): Schiffsverkehr, Müll- und Ölverschmutzung. - LOZAN, J.L., R. LAMPE, W. MATTHÄUS, E. RACHOR, H. RUMOHR & H.v. WESTERNHAGEN (Hrsg.): Warnsignale aus der Ostsee. Parey Buchverlag Berlin: 98-104.

DUBSKY, K. & J. LARRAGY (1996): Coast Watch Europe Network (International Report of the 1995 Survey), I. Litter and Solid Waste on the European Coast. - Coastwatch Europe Network, Intern. Coordination, Environmental Sciences Unit, Trinity College Dublin: 45 S.

HARTWIG, E., M. KORSCH & E. SCHREY (1992): Seevögel als Müllopfer in der Deutschen Bucht. - Seevögel 13/1: 1-4.

LIEDTKE, G. & E. HARTWIG (1990): Untersuchungen zur Müllbelastung der Insel Scharhörn 1989. - Seevögel 11/1: 8-12.

SCHREY, E. (1987): Untersuchungen zur Belastung der Deutschen Bucht durch Schiffsmüll. - In: VAUK, G., G. DAHLMANN, E. HARTWIG, J.C. RANGER, B. REINEKING, E. SCHREY & E. VAUK-HENTZELT: Ölopfererfassung an der deutschen Nordseeküste und Ergebnisse der Ölanalysen sowie Untersuchungen zur Belastung der Deutschen Bucht durch Schiffsmüll. Umweltbundesamt-Texte 29/87: 79-152.

SCHREY, E. & K. GROSCH (1990): Garbage pollution by shipping in the seabird-reserve Oehe-Schleimünde (German Baltic Sea). - Baltic Birds 5: 127-131.

 

Anschrift der Verfasser:
Verein Jordsand
Haus der Natur, Wulfsdorf
22926 Ahrensburg

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