Zwei Jahrzehnte
Wattenmeerschutz ohne Grenzen
Von Imke Zwoch, Nationalpark
Niedersächsisches Wattenmeer
Das Gemeinsame
Wattenmeersekretariat blickt auf 20 Jahre erfolgreiche trilaterale
Zusammenarbeit zurück – Weltweit einzigartige Einrichtung
Alles begann 1985 in Den Haag: Die
zuständigen Minister der Bundesrepublik Deutschland, der Niederlande
und Dänemarks beschlossen auf der 4. Trilateralen
Regierungskonferenz zum Schutz des Wattenmeeres, zur Stärkung der
Zusammenarbeit ein Gemeinsames Wattenmeersekretariat einzurichten.
Als Sitz für das „Common Wadden Sea Secretariat“ (CWSS) bot sich
Wilhelmshaven an, zentral an der trilateralen Wattenmeerküste
gelegen. Im November 1987 bezog Jens Enemark als Leiter und erster
Mitarbeiter ein Büro in der früheren Gewerbeschule (heute „Havenhaus“)
am großen Hafen, wo im Jahr zuvor schon die Verwaltung für den
Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ihre Arbeit aufgenommen
hatte. „Für mich war es eine reizvolle Aufgabe und eine große
Herausforderung, die Aufbauarbeit für das Sekretariat zu übernehmen.
Als Einzelkämpfer war es für mich um so wichtiger, von den Kollegen
der Nationalparkverwaltung Unterstützung zu erhalten“, erinnert sich
Enemark an die Anfänge. Der Standort in Wilhelmshaven, direkt am
Wattenmeer, kam seinen Vorstellungen entgegen. „Ich mag
Wilhelmshaven“, bekennt er, „und die Stadt zeigte sich gegenüber
unserer neuen Institution sehr aufgeschlossen und hilfsbereit.“
Die Gründung eines internationalen
Sekretariats zum Schutz eines gesamten Ökosystems ist auf der Welt
eine einzigartige Einrichtung. Gemäß dem Verwaltungsübereinkommen
zwischen den drei Wattenmeerstaaten hat das CWSS folgende
Grundaufgaben:
-
Vorbereitung von trilateralen Regierungskonferenzen und
sonstigen Beratungen und Sitzungen
-
Sammlung und Verbreitung von Informationen über Aktivitäten, die
mit erheblichen Auswirkungen auf die natürliche Umwelt im
Wattenmeer verbunden sind oder sein können, sowie Vorschläge für
geeignete Maßnahmen
-
Erarbeitung von Vorschlägen für eine
engere wissenschaftliche Zusammenarbeit.
Das Gemeinsame Wattenmeersekretariat
wird durch einen Sekretär vertreten, dem eine angemessene
wissenschaftliche und administrative Unterstützung bei der
Ausführung seiner Aufgaben zur Verfügung steht. Die drei
Wattenmeerstaaten stellen das jährliche Arbeitsprogramm auf und
finanzieren zu jeweils einem Drittel den Jahreshaushalt. Den Posten
des Sekretärs hat von Beginn an Jens Enemark inne. Der gebürtige
Däne ist Politologe, mit einer Niederländerin verheiratet und lebt
seit 25 Jahren in Groningen bzw. seit 20 Jahren halb dort, halb in
Wilhelmshaven. Somit spricht er alle im Sekretariat vertretenen
Sprachen, einschließlich Englisch als gemeinsame Arbeitssprache.
Derzeit hat Enemark vier feste und zwei befristete Mitarbeiter an
seiner Seite. „Über die Jahre haben wir ein hervorragendes Team
aufgebaut, auf das ich wirklich stolz bin - in dem alle
Nationalitäten der Wattenregion vertreten sind und alle Kompetenzen,
die wir zur Erfüllung unserer Aufgaben benötigen“, betont Enemark.
Seit 1988 dabei sind Biologin Bettina Reineking (Arten- und
Lebensraumschutz) und Marijke Polanski (Finanzen, Personal und
Verwaltung, Übersetzungen der trilateralen Dokumente). Seit 1990 ist
Biologe Dr. Folkert de Jong im Team (Integriertes
Küstenzonenmanagement - IKZM - und nachhaltige Entwicklung). 1995
kam Biologe Dr. Harald Marencic dazu (Koordinierung des trilateralen
Monitoring- und Bewertungsprogramms -TMAP). Seit 1996 ist Gerold
Lüerßen als Daten-Koordinator dabei. Geologe Manfred Vollmer erhielt
1999 einen befristeten Vertrag für die Landschafts- und
Kulturgeschichte der Wattenmeerregion und Koordinierung des EU
Interreg Projektes Lancewad-Plan. Sabine Borke kümmert sich seit
2007 um die interne Sekretariatsarbeit und technische Organisation
von trilateralen Veranstaltungen.

Oben: Das Team des
Wattenmeersekretariates (v.l.n.r.): Jens Enemark, Manfred Vollmer,
Folkert de Jong, Sabine Borke, Marijke Polanski, Gerold Lüerßen,
Harald Marencic (es fehlt Bettina Reineking) (Foto: Imke Zwoch)
Mit der Vergrößerung des Teams wurden
im Laufe der Jahre auch räumliche Veränderungen innerhalb des
Gebäudes erforderlich. Heute hat das Sekretariat einen eigenen
Bürotrakt im 2. Stock des hafenseitigen Flügels im „Havenhaus“,
Virchowstr. 1.

Oben: Das "Havenhaus" - Sitz des
Wattenmeersekretariates (2. Stock) und der Nationalparkverwaltung
Niedersächsisches Wattenmeer (1.Stock).
Die Zusammenarbeit zum Schutz des
Wattenmeeres besteht auf Regierungsebene bereits seit fast 30 Jahren.
Seit 1978 treffen sich die verantwortlichen Minister regelmäßig alle
drei bis vier Jahre, um über die Probleme des Wattenmeerschutzes und
Verbesserungen zu beraten. Die ‘Gemeinsame Erklärung zum Schutz des
Wattenmeeres’ wurde 1982 auf der 3. Regierungskonferenz in
Kopenhagen unterzeichnet. Darin erklärten sich die drei Regierungen
bereit, ihre Arbeit für die Umsetzung von internationalen Abkommen
zum Natur- und Artenschutz zu koordinieren. Von den Abkommen sind
hier insbesondere die Ramsar-Konvention, die EU-Richtlinien, das
Übereinkommen zur Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen
und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (Berner Konvention),
sowie das Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wildlebenden
Tierarten (Bonner Konvention) zu nennen.
Der Vorsitz in der trilateralen
Arbeitsgruppe wechselt alle drei Jahre und liegt bis Ende 2010 in
den Händen der deutschen Regierung. Danach wird turnusgemäß Dänemark
den Vorsitz wieder übernehmen.
Eine der wichtigsten Aufgaben des
Sekretariats ist die Mitwirkung bei der Organisation und
Durchführung der trilateralen Regierungskonferenzen und Beratungen
auf allen Regierungsebenen sowie deren Nachbereitung.
Wichtige greifbare Ergebnisse der
letzten Trilateralen Regierungskonferenzen sind z. B.
-
das erste Regionalabkommen zum Schutz der Seehunde gemäß der
Internationalen Konvention zum Schutz wildlebender Tierarten (5.
Konferenz, Bonn, 1988),
-
der Managementplan für die Seehunde im Wattenmeer (6. Konferenz,
Esbjerg, 1991),
-
ein gemeinsamer Managementplan
(Wadden Sea Plan), dem das gesamte Wattenmeergebiet als
ökologische Einheit zugrunde gelegt ist (7. Konferenz, Stade,
1997),
-
ein gemeinsames Monitoringprogramm (Trilateral Monitoring and
Assessment Program - TMAP) für das gesamte Wattenmeergebiet.
Zur Vorbereitung der
Regierungskonferenzen erstellt das Wattenmeersekretariat, basierend
auf den Ergebnissen des Monitoringprogramms TMAP, regelmäßig einen
Qualitätszustandsbericht (Quality Status Report, QSR). Der letzte
Bericht erschien Ende 2004.
Neben den Koordinierungsaufgaben
führt das Sekretariat trilaterale Projekte zur Umsetzung des
Wattenmeerplanes durch:
-
Demowad
(EU Projekt, 1995-1998): Entwicklung des TMAP sowie des
Datenmanagements
-
Lancewad (EU Interreg Projekt, 1998-2001 & 2004-2007):
Inventarisierung und Management kulturhistorischer Landschaften,
(www.lancewadplan.org).
-
Wadden Sea Forum (EU Interreg Projekt, 2002-2005): Unabhängiges
Forum zur nachhaltigen Entwicklung (www.waddensea-forum.org)
-
Harbasins (EU Interreg Projekt, 2005-2008): Harmonisierung von
Monitoring in Nordseeküstenbereich (www.harbasins.org)
Das Sekretariat arbeitet eng mit
anderen internationalen Institutionen (z.B. OSPAR Konvention,
Fluss-Kommissionen) zusammen und unterhält bilaterale Kooperationen
mit England (Wash-Northern Norfolk Coast) und Westafrika
(Guinea-Bissau; im Rahmen des Afrikanisch-Eurasischen
Wasservogelabkommens).
Damit das Gemeinsame
Wattenmeersekretariat seine Arbeit effektiv gestalten kann, ist es
insbesondere auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Forschung und der
Zusammenarbeit auf Informationen aller Einrichtungen und
Organisationen, die sich mit dem Wattenmeer beschäftigen, angewiesen.
Die wissenschaftlichen Institutionen sind daher angehalten, alle
Informationen (Literatur, Berichte etc.) dem CWSS zur Verfügung zu
stellen, so dass das Sekretariat zum einen seine koordinierenden
Aufgaben erfüllen und zum anderen Institutionen, Wissenschaftler,
Verwaltung und andere am Wattenmeer Interessierte mit Informationen
versorgen kann.
Enemark und seine Mitarbeiter können
mit Recht stolz auf das Erreichte sein. Im Vorfeld zur nächsten
Ministerkonferenz, die 2010 in Deutschland stattfinden wird, haben
zwei externe Fachleute die Arbeit des CWSS bewertet. Diese
Evaluierung bringt deutlich zum Ausdruck, dass das Sekretariat bei
den Beteiligten hohe Anerkennung genießt und sich als verlässliches
Bindeglied für die Unterstützung und Koordination der trilateralen
Aktivitäten erwiesen hat. Zudem wird dem CWSS eine Führungsrolle bei
der Umsetzung der gemeinsamen Schutz- und Managementziele und der
Koordination von Forschung und Monitoring bescheinigt.
Wie ist es nun um die Zukunft des
CWSS bestellt? Sind bei derart effektiver Arbeit nicht eines Tages
sämtliche Ziele erreicht und die damit verbundenen Aufgaben erledigt?
Auch damit hat sich die vorgenannte Evaluierung befasst. Jens
Enemark bringt es auf den Punkt: „Um das einzigartige Ökosystem
Wattenmeer zu erhalten, ist eine Kooperation genauso unerlässlich
wie vor 25 Jahren. Neue Herausforderungen durch die Globalisierung,
z. B. Häfen, Schiffe, Energie oder auch die Zuwanderung
gebietsfremder Arten, die Einflüsse des Klimawandels und die
mögliche Nominierung des Gebietes als Weltnaturerbe erfordern mehr
denn je eine effektive Zusammenarbeit. Nicht zuletzt ist die
Trilaterale Kooperation im Wattenmeer ein europäisches und globales
Modell für den grenzüberschreitenden Naturschutz.“
Kontakt:
Gemeinsames Wattenmeersekretariat
(Common Wadden Sea
Secretariat - CWSS)
Virchowstrasse 1
D - 26382 Wilhelmshaven
Phone:+49 (0)4421 9108 0 (op.)
Fax: +49 (0)4421 9108 30
e-mail: info@waddensea-secretariat.org